Elfenbein-Pottwalzahn, Zahnmaterial des 35-50 Tonnen schweren Pottwals. Der mächtige Kopf des Meeressäugers umfasst über ein Drittel des bis 18 m langen Tieres. (Pottwale von mehr als 24 m Länge sollen früher keine Seltenheit gewesen sein.)

Auf den großen Kopf Bezug nimmt die portugiesische Bezeichnung cachalotte, "mit großem Kopf", französisch cachelot und eingedeutscht Kaschelott. Von der fast 100 Arten umfassenden Ordnung der Wale ist der den Zahnwalen angehörende Pottwal (Spermwal, Samenwal) der bekannteste, spätestens seit Herman Melvilles literarischem Welterfolg "Moby Dick". Im Unterkiefer des Tieres sind in einer Knorpelleiste 30-50 Zähne eingebettet, die in harte Vertiefungen des zahnlosen und wesentlich größeren, den Unterkiefer umschließenden Oberkiefers eingreifen. Die kegel- bzw. gurkenförmigen gelblichweißen Zähne sind bei einem Basisdurchmesser von ca. 5-7 cm etwa 10-15 cm lang und werden bis 1 kg schwer. Sie sind etwas tranhaltig, sehr zäh und in dünnen Schichten durchscheinend. Beim Pottwalzahn fehlt die beim Elfenbein des Elefanten meist sichtbare * Maserung.

Zähne des Pottwals dienten den Grönländern als Schnitzmaterial (vgl. * Tupilak) und Walfängern als Werkstoff für Ritzarbeiten. Die Nordamerikaner unterhielten im 19. Jh. die größte Walfangflotte, und es waren auch die Amerikaner, die mit Ritzzeichnungen versehene Pottwalzähne, * Scrimshaw genannt, zur * Volkskunst machten. Die Walfänger bedienten sich dabei meist eines sehr einfachen Verfahrens, indem sie die Vorlagen auf die vorher mit Haifischhaut geglätteten und mit dem Daumenballen polierten Pottwalzähne klebten. Dann wurden die Konturen der Darstellungen, für gewöhnlich Frauen, Schiffe oder Walfangszenen, durch Nachstechen auf die Zähne übertragen. Die Art des Kopierens war sehr beliebt und wurde * Stippen (englisch stippling) genannt. Nach dem Verbinden der Punktlinien durch Einritzen wurden jene Stellen, die farbintensiver aussehen sollten, schraffiert, vertieft oder verbreitert. Zuletzt vollendete eine aufgetragene Mischung aus Öl und Ruß oder Kohlenstaub die Zeichnung.

Zum Unterschied von den zwar größeren, aber friedlichen Bartenwalen, die ihre Nahrung mittels der vom Oberkiefer herabhängenden Barten durch Herausseihen aus dem Meerwasser aufnehmen, bevorzugt der Pottwal als Beute hauptsächlich die in großen Tiefen lebenden Riesenkraken. Beim Zerwirken von Pottwalen finden sich in ihrem Verdauungstrakt oft riesige Hornschnäbel von Oktopoden sowie große Saugnäpfe, die manchmal mit klauenartigen Fortsätzen bewehrt sind und auf die ungeheure Größe der Tiefseekraken schließen lassen. Die Haut mancher Pottwale ist von Narben übersät, die von den Gigantenkämpfen in der Tiefe des Meeres herrühren. Diese Art der Nahrungsaufnahme ist ausgesprochen kampfbetont, und dementsprechend sind auch die Reaktionen des Pottwals, wenn er angegriffen wird. Die Walfänger versuchten, das nur etwa 8 m lange Fangboot mit dem am Bug stehenden Harpunier möglichst leise an die linke Seite des Wals heranzubringen, da beim Pottwal das linke Auge kleiner und weniger gut ausgebildet ist. Nach dem Harpunieren mussten sich die Walfänger nicht nur vor der ca. 4,5 m breiten Schwanzflosse, der Fluke, in Sicherheit bringen, sondern sich beim Pottwal auch noch vor seinen Zähnen in acht nehmen. Nicht wenige der kleinen Boote wurden mit dem rammbockähnlichen Kopf zum Kentern gebracht und mit den spitzen Zähnen zu Kleinholz zersplissen. So mancher Seemann fand dabei den Tod oder büßte Gliedmaßen ein. In alter Literatur wird der Pottwal deshalb als * Leviathan bezeichnet.


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