Evangeliar, Evangeliarium, liturgisches Buch mit den Texten des Evangeliums (von griechisch euangelion, "gute Kunde", "Frohbotschaft").

Das Evangeliar beinhaltet die vier ersten von den * Evangelisten aufgezeichneten Bücher des Neuen Testaments mit der Lebensgeschichte Christi. Es entstand in der 2. Hälfte des 1. Jh. und wurde von der Kirche als * kanonisch erklärt, zum Unterschied von den so genannten * apokryphen Schriften. Seit dem 4. Jh. sind dem Text oft die Kanon- oder Konkordanztafeln vorangestellt, aus denen die übereinstimmenden Stellen in den Evangelien hervorgehen. Besonders aufwendig ausgeführt sind Evangeliare aus dem Karolingerreich, z. B. das Evangeliar der * Ada (Trier, Stadtbibliothek) und das vor 835 entstandene Evangeliar des Bischofs Ebo von Reims (Epernay, Bibliothèque Municipale - Stadtbibliothek).

Evangeliare gelangten bisweilen als Weihegeschenke in die Schatzkammern von Dom- oder Stiftskirchen und werden dort zum Teil bis heute aufbewahrt (Aachen, Essen usw.). Der Bedeutung des Textes entsprechend, sind bei alten Evangeliaren die Einbanddeckel häufig besonders wertvoll ausgeführt und bestehen aus beschnitzten Elfenbeintafeln, die mit getriebenem Gold- oder vergoldetem Silberblech gefasst sind. In Irland waren für die Schriften eigene, den * Reliquiaren vergleichbare Schreine gebräuchlich. Zum Unterschied vom Evangeliaren sind beim * Evangelistar nur die bei der Messfeier auszugsweise verwendeten Evangelientexte (Perikopen) verzeichnet.


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