Fadenglas, umgangssprachlich Schnürdlglas, englisch Enamel twist, Cotton twist, Opaque twist,

Bezeichnung für in Fadenglastechnik gefertigte Gläser. Das ansatzweise schon im Altertum bekannt gewesene Herstellungsverfahren (* Balsamarium) wurde im 16. Jh. in Venedig neu entdeckt, weiterentwickelt und unter den Bezeichnungen Latticinio-Glas, Vetro a filigrana und * Vetro da trina feilgeboten. Auch in den Venezianerhütten nördlich der Alpen, z. B. in Hall in Tirol und in den Niederlanden, stellte man Fadenglas her. Das Verfahren wurde weiters von englischen Hütten übernommen, wo man es um 1745 bis ca. 1770 insbesondere zur Verzierung der Schäfte langstieliger Weingläser einsetzte und zu einer Hochblüte brachte. Bei der Herstellung der überwiegend weißen Fadenglas wurden dünne Glasstäbchen aus Milchglas in regelmäßigen Abständen auf einen kleinen zähflüssigen Posten farblosen Glases aufgeschmolzen und zusammen mit diesem an der * Glasmacherpfeife zu einem Hohlkörper aufgeblasen, wobei sich die Stäbchen zu Fäden streckten. Durch Verdrehen des noch heißen Glases ergaben sich spiralförmige Windungen. Das so genannte Netzglas oder * Petinet-Glas entstand, wenn man vor dem abschließenden Blasvorgang in eine aufgeschnittene Blase eine zweite mit gegenläufig verdrehten Fäden einbrachte. Um die Mitte 19. Jh. kam Fadenglas, nun auch unter Verwendung roter und grüner Fäden, erneut in Mode und wurde sowohl in Venedig als auch von englischen, französischen und böhmischen Hütten erzeugt. Die oft für Fadenglas verwendete Bezeichnung "Filigranglas" ist irreführend und wird deshalb abgelehnt. Der zur gleichen Zeit wie das Fadenglas in England hergestellte Glasdekor aus verschlungenen Luftspiralen heißt * Airtwist.


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Fadenstichel »


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