Fastentuch, Hungertuch, Palmtuch, niederdeutsch Fastenlaken (lat. velum quadragesimale, velamen cortina, velum templi),

Bezeichnung für ein vorhangartiges Tuch aus weißem, violettem oder braunem Leinen, seltener aus Wolle oder aus Seide (Frankreich und England). Fastentücher verhüllten während der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern, der Quadragesima, die Altäre bis zum Mittwoch der Karwoche, d. h. bis zur Verlesung der Stelle in der * Passion, wo es heißt " ... und der Vorhang des Tempels riss in der Mitte entzwei" (Lukas 23, 45). Zum Unterschied von anderen Tüchern, die in der Karwoche Altarkreuz und -bilder verdecken, wurde das Fastentuch bei der Messfeier während der Verlesung von Epistel und Evangelium sowie bei Seelenmessen zur Seite gezogen. Erwähnung finden Fastentücher erstmalig im 11. Jh., etwa in den Dekreten des Erzbischofs Lanfranc von Canterbury, 1073, oder in den Mönchsvorschriften (Consuetudines) des Abtes Wilhelm von Hirsau, 1080 -, doch es wird angenommen, dass sie bereits vor dem Jahr 1000 eingeführt wurden, und zwar in Verbindung mit der cluniazensischen Reform. In manchen Gebieten blieben die Fastentücher bis Ende 18. Jh. in Gebrauch. Sie sind in viereckige Felder eingeteilt und vielfach aufwendig mit biblischen Szenen, Darstellungen von Heiligen und Bildern der * Passion bestickt oder bemalt, manchmal auch mit * Modeln bedruckt. Die Fastentücher sollten die Gläubigen an die Leiden Christi und an das kirchliche Fastengebot erinnern. Besonders schön gestaltete Fastentücher stammen aus Westfalen. Von dort soll auch der Gebrauch dieser Bildtücher im 15. Jh. nach Gurk in Kärnten gekommen sein und sich dann über ganz Österreich verbreitet haben.


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