Fibel

1) von lat. fibula, "Heftnadel", eine in Europa und im Orient seit vorgeschichtlicher Zeit bis ins Mittelalter gebräuchliche Heftnadel aus Metall. Sie diente zur Verbindung zweier Teile eines Kleidungsstückes oder zu dessen Raffung. Über die bloße Zweckmäßigkeit hinaus wurden Fibeln schon in der * Bronzezeit und * Eisenzeit auch als Schmuckgegenstände verwendet und in der * Hallstattzeit mit klappernden Anhängseln versehen. Einteilige Fibeln sind ähnlich der modernen "Sicherheitsnadel" federnd als Bügelspange ausgebildet; diese Konstruktionsform wird "italienische Fibel" genannt. Bei der besonders in der Bronzezeit in Mittel- und Nordeuropa üblichen, als "nordische Fibel" bezeichneten zweiteiligen Version sind Bügel und Nadel gesondert gestaltet und mit einem Scharnier verbunden. Nach ihrer äußeren Form wird unterschieden in: Adler-, Armbrust-, Augen-, Bogen-, Scheiben-, Schnallen-, Spangen-, Tierkopffibel usw. Fibeln sind aufgrund ihrer stilistischen und regionalen Eigenheiten wichtige Datierungshilfen. Im 13. Jh. und Anfang 14. Jh. verwendete man zur Befestigung des Umhangs paarig angeordnete Scheibenfibeln, die mit einem Band oder einer Kette verbunden waren. Diese Sonderform der Fibel ist als * Tassel bekannt.

2) Bezeichnung für ein am Beginn der Schulzeit von Kindern verwendetes ABC-Buch (Abecedarium). Der Name ist in dieser Bedeutung seit dem 15. Jh. nachweisbar. Früher hießen die ABC-Schützen auch "Bibelisten", weil als Text in den Fibeln meist Stellen aus der Bibel zitiert wurden. Da kleine Kinder das "B" am Wortanfang häufig als "F" aussprachen, so auch bei "Bibel", sollen auf diese Weise die ABC-Bücher den Namen Fibel erhalten haben. Als Erklärung der Texte dienen als * Holzschnitte, * Kupferstiche und später auch * Lithographien ausgeführte Abbildungen. Vgl. auch * Hornbuch.


« FIAP

Fica »


Desktop-Version öffnen mit Volltextsuche über rund 350.000 Worte.