Glocke, von keltisch cloc und althochdeutsch clochon, "klopfen",

Vorrichtung für akustische Signale. Die Glocke ist im Allgemeinen aus Metall gegossen und besteht meist aus einem hohlen Klangkörper in Gestalt eines stumpfen, unten offenen und nach außen aufgebogenen Kegels, an dessen oberstem Punkt der Innenseite ein pendelartiger Metallstab angebracht ist. Durch Anschlagen dieses so genannten Klöppels oder Glockenschwengels an die Glockenwand oder, bei kleinernen Glocken, durch Schwingen der ganzen Glocke wird diese durch den Glockenschwengel zum Tönen gebracht. Der Klang der Glocke ist vor allem von der Zusammensetzung der * Glockenbronze, von der Größe der Glocke und von der Stärke der Glockenwandung abhängig. Untergebracht sind Glocken entweder auf einem Glockengerüst, dem so genannten Glockengestühl, oder in einem speziellen Glockenturm, wie in Italien oft anzutreffen (Campanile), bzw. in der Glockenstube eines Kirchturms. Meist handelt es sich nicht um einzelne Glocken, sondern um ein so genanntes Geläute, also um mehrere Glocken von unterschiedlicher Größe, deren gemeinsames Läuten einen harmonischen Klang ergibt. Mehrere im Ton aufeinander abgestimmte Glocken, die in bestimmten Zeitintervallen angeschlagen werden, so dass eine Melodie entsteht, werden Glockenspiel genannt. Glocken waren in der christlichen Tradition Nordafrikas, d. h. in nordafrikanischen Klöstern, seit dem 1. Drittel 6. Jh. gebräuchlich; in Mitteleuropa lassen sie sich erst seit dem 9. Jh. nachweisen. Vereinzelt waren glockenähnliche Klangkörper allerdings bereits im Altertum in Verwendung. So wurde z. B. das Fest des * Osiris in Ägypten durch Glocken eingeläutet, und der römische Historiker Gajus Sueton (ca. 70-140) berichtet, dass vor dem Tempel des * Jupiter ein Tintinnabulum (Glocke) angebracht wurde. Die ältesten erhaltenen Glocken sind vergleichsweise klein und besitzen einen geschmiedeten walzen- oder fassförmigen Bronzemantel. Glocken in der heutigen, birnenartigen Form entstanden erst in der Gotik als Kirchen-Glocken. Über die Glockengießtechnik berichtete erstmals * Theophilus Presbyter. Als Material für die Glocke dient meist die so genannte Glockenbronze oder Glockenspeise, auch Glockengut genannt. Manchmal wurden früher auch andere Legierungen verwendet, und weiters gibt es zur Gänze aus Silber, Stahl, Keramik oder Glas gefertigte Glocken. Zu den ältesten Glocken zählen die im Städtischen Museum in Köln aufbewahrte Glocke, "Saufang" genannt (um 613), und die St.-Filans-Bell im Museum in Edinburgh. Datierte Glocken befinden sich u. a. im Dom von Siena (1149) und in St. Burkhardt in Würzburg (1249). Die größte Glocke der Welt ist die Glocke "Zar Kolokol" in Moskau, welche beim Brand von 1737 vom Glockenturm fiel und in der Erde lag, bis sie 1836 auf einen 1 m hohen Granitsockel neben dem Kremel gehoben wurde. Die ältesten auf uns gekommenen Glocken stammen aus China. Sie verfügen über keinen Glockenschwengel, sondern werden mit einem neben der Glocke hängenden waagrechten Holzpfosten angeschlagen. Es sind vor allem zwei Gründe dafür ausschlaggebend, warum nur verhältnismäßig wenige alte Glocken erhalten sind. Früher gab es oft Kirchenbrände, bei denen die Glocken in die Tiefe stürzten und zerbrachen, und weiters wurden in Kriegszeiten viele Glocken eingeschmolzen, um aus der Glockenbronze Kanonen zu gießen. Glocken weisen oft Inschriften und Darstellungen auf und sind so wichtige zeitgeschichtliche Zeugnisse. Spezielle Glockenmuseen gibt es u. a. in Apolda, Gescher, Greifenstein (Deutschen Glockenmuseum), Siegen (Eiserfeld) und Wien.


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