Gotischer Knick, Bezeichnung für das Einknicken gotischer Figuren in der Hüfte und die Überbetonung der gegenüberliegenden Hüfte.

Paul Williamson vertritt die Ansicht, dass die wie die Krümmung eines Elefantenstoßzahnes verlaufende Form vieler gotischer Figuren darauf zurückzuführen ist, dass in der Gotik Elfenbein als Schnitzmaterial sehr geschätzt war und sich die Bildhauer bei großen, aus einem Stück gefertigten Figuren dem natürlichen Verlauf des Rohmaterials anpassten. Dieser naturbedigte Schwung wurde dann auch bei Werken aus anderen Materialen als Stilelement übernommen. P. Williamson bildete zum Vergleich die um 1250-60 entstandene Elfenbeinstatuette von Sainte-Chapelle (Musée du Louvre) und die ca. 1270 aus Stein gehauene Madonna von Sainte-Corneille (Compiègne, Saint Jacques) ab.

Otto Pelka vertrat in seinem Buch "Elfenbein" dagegen die Meinung, dass der Jesusknabe in der Gotik von Maria zumeist am Arm gehalten wird und die Bildhauer dabei die natürliche Schwerpunktverlagerung, die der Körper beim Tragen einer Last einnimmt, wiedergaben. Da die Art der Gestaltung aber auch bei Figuren gebräuchlich war, die mit keiner Last wiedergegeben sind, ist diese Erklärung wenig überzeugend.


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