Groteske, französisch grotesque, italienisch groteso, von grotta, "Grotte",

1) meist in der Mehrzahl gebrauchte Bezeichnung für ein aus Pflanzenranken, Fruchtschnüren, Bändern, phantastischen Menschen- und Tierfiguren, Masken, Putti, Misch- bzw. Fabelwesen (* Sphingen, * Sirenen usw.) bestehendes flächenfüllendes bizarres ("groteskes") Ornament. Es ist oft beidseitig einer gedachten Mittelachse symmetrisch angelegt. Die Grotesken gehen auf antike römischen Wandmalereien zurück, die Ende 15. Jh. in den Thermen (Grotten) des Kaisers Hadrian und in den zur Zeit Neros angelegten unterirdischen Gewölben im "Goldenen Haus" am Esquilin entdeckt wurden.

Neben anderen sollen sich Raffael und seine Mitarbeiter (u. a. Giovanni da Udine) bei den Arbeiten für Kardinal Bibbiena (in den Loggien des Vatikans) und in der Villa Madama in Rom an diesen Wandbildern orientiert und sie weiterentwickelt haben. Die bizarren Gestaltungen Raffaels waren u. a. für die Majolika-Maler in Urbino ein Vorbild, was im 19. Jh. zu der irrigen Annahme führte, die Majoliken wären Originalwerke Raffaels. Allgemein bekannt wurden die Groteske durch die Vorlageblätter von H. * Aldegrever und C. Floris (* Florisstil). Zur Verbreitung der Groteske trug auch die * Schule von Fontainebleau bei. Besonders schöne Beispiele von Grotesken findet man als Gravuren auf Klingen von * Blankwaffen aus der Renaissance und in Form von * Intarsien auf den Schäften von Schusswaffen und auf Schränken mit Einlegearbeit (* Kabinett) aus der Renaissance und aus dem Barock. Grotesken wurden auch von Berain und Watteau bei Dekorationen zur Zeit Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. verwendet.

2) Phantastische oder komisch überzeichnete Darstellung oder Erzählung.


« Großfeuerfarben

Grottenwerk »


Desktop-Version öffnen mit Volltextsuche über rund 350.000 Worte.