Hennin, von 1385 an etwa 100 Jahre in ganz Europa übliche Kopfbedeckung von Frauen des Adels- und Bürgerstandes.

Seiner anfänglichen Verbreitung wegen wird der Hennin auch Burgundische Haube genannt. Ursprünglich sollen spitzkegelige Kopfbedeckungen von Frauen im Nahen Osten getragen worden sein; diese Mode gelangte dann wahrscheinlich während der * Kreuzzüge nach Europa. Beim Hennin handelt es sich um eine mit langem faltig herunterhängenden Schleier (dem Flinder) versehene spitzkegelige (zuckerhutförmige) Kopfbedeckung, wobei der Schleier an der Spitze befestigt war und bisweilen fast bis zum Boden reichte. Wie bei der gleichfalls in der Gotik gebräuchlichen * Hörnerhaube trugen die Frauen den Schleier nicht vor dem Gesicht; er diente nur als Aufputz. Die Höhe des Hennin wurde durch die * Kleiderordnungen geregelt, bei Bürgersfrauen durfte sie 50-60 cm nicht überschreiten. Bei Frauen von edlem Geblüt war der aus gestärktem Leinen und mit kostbaren Stoffen überzogene Kopfputz über einen Meter hoch. Bekannt geworden soll der Hennin durch Elisabeth v. Bayern sein, die, wie es heißt, bei ihrer Hochzeit mit König Karl VI. von Frankreich (1385) einen aus dünnem Silberblech gefertigten Hennin trug. Neben Darstellungen des Hennins auf gotischen * Tafelbildern findet er sich vor allem auf Elfenbeinreliefs (* Minnegaben, * Spiegelkapseln) als Kopfbedeckung junger Frauen (Burgfräulein), die auf dem * Söller einer Festung stehen, während sich außerhalb der Wehranlage Ritter befinden, die mit Katapulten Rosen auf die Burg schleudern, um so die "Festung der Liebe" zur Kapitulation zu veranlassen.


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