Hortus deliciarum, lateinisch, "Garten der Wonnen" (* Paradies),

Name einer in der Zeit von 1165-75 entstandenen heilsgeschichtlichen Erbauungsschrift, ursprünglich bestehend aus 324 Pergamentbogen in verschiedenem * Folioformat, mit Texten aus der Bibel sowie aus Schriften der * Kirchenväter etc. und ausgeschmückt mit 336 * kolorierten Miniaturen. Überarbeitet, ergänzt und zum Teil auch mit * Illuminationen versehen wurde die Handschrift im Kanonissenstift Hohenburg auf dem Odilienberg im Wasgau/Elsass von der Äbtissin Herrad von Landsperg (1125-1195). Das Werk diente möglicherweise als Basis für den Unterricht in der klostereigenen Lateinschule.

Neben Heilsbotschaften und * allegorischen Darstellungen veranschaulicht der * Codex den Lebensstil und den Wissensstand der damaligen Zeit. Bis 1521 verblieb der Hortus deliciarum nachweislich im Kanonissenstift Hohenburg. Wann er in das Kloster Molsheim gelangte, wo er sich im 17. Jh. befand, ist nicht bekannt. Nach der Französischen Revolution gelangte der Hortus deliciarum in die Stadt- bzw. Distriktbibliothek Strassburg, wo er 1870/71 im Zuge der Belagerung der Stadt verbrannte. Fast der gesamte Text ist dadurch verlorengegangen. Nach 254 erhaltengebliebenen Kopien der mit * Aquarellfarben und * Goldtinktur bemalten Federzeichnungen wurde von Straub und Keller 1899 eine * Faksimile-Ausgabe gedruckt. Zu sehen sind z. B. die Schöpfungsgeschichte, Begebenheiten aus dem Leben Jesu, * Apokalypse und * Jüngstes Gericht, Darstellungen des Kampfes der * Tugenden und Laster usw. Neben den christlichen Lehrbildern moralisierenden Inhaltes sind auch * Genreszenen, Kriegshandlungen etc. abgebildet und geben u. a. Aufschluss über Kleidung sowie Sitten und Gebräuche.


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Horus »


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