Judith, hebräisch, "Frau aus Juda". Ihre Attribute sind das Schwert und ein abgeschlagener Männerkopf.

Judith ist die Titelheldin eines im 2. Jh. v. Chr. in hebräischer Sprache verfassten Buches des Alten Testaments (Buch Judith), das nur in griechischer Übersetzung erhalten ist. (Das Buch Judith gilt in der katholischen Kirche als Buch des alttestamentlichen * Kanons, im protestantischen Verständnis als * apokryph.)

Beim Zug gegen Jerusalem soll das Heer des Assyrerkönigs Nebukadnezar die Stadt Betylua (Bethulia) belagert haben. In der Bibel ist die Streitmacht ohne den Tross mit 170.000 Mann Fußvolk und 12.000 berittenen Bogenschützen beziffert (Buch Judith 7, 1 ff). Die Israeliten litten großen Durst, da ihre Zisternen nach 34tägiger Belagerung leer waren und sie nicht zu den vor der Stadt gelegenen Brunnen und Wasserquellen gelangen konnten. Es wird berichtet, dass eine junge Witwe namens Judith mit einer Magd das feindliche Heerlager aufsuchte, festgenommen und in das Zelt des Anführers Holofernes gebracht wurde. Sie gab vor, ihren Leuten entlaufen zu sein, weil diese sich entschlossen hätten, der Belagerung wegen auch das zu essen und zu trinken, was ihnen durch das Gesetz ihres Gottes verboten war, und Holofernes gestattete ihr zu bleiben.

Es wurde Judith auch erlaubt, das Tal jederzeit zu verlassen, um zu beten, und Judith sagte zu dem Feldherrn, dass sie ihn mitten durch Judäa führen werde, bis vor die Tore von Jerusalem. Wie erhofft, war Holofernes von der Schönheit, dem Liebreiz und den Reden Judiths betört und lud sie am dritten Tag zu einem Festmahl in sein Zelt ein. In der Nacht gelang es ihr dann, dem Feldherrn mit seinem eigenen Schwert den Kopf abzuschlagen. Zusammen mit ihrer Magd, in deren Brotsack das abgetrennte Haupt verborgen war, gelang Judith die Rückkehr zu den Ihren. Bei Tagesanbruch hielt sie von der Stadtmauer aus den Feinden das Haupt ihres Feldherrn entgegen, die daraufhin, nun führerlos, entsetzt die Flucht ergriffen.

Während der Name Holofernes historisch nicht bezeugt ist, wird von einem Heerführer namens Orophernes berichtet. Er hatte in der Armee des Perserkönigs Artaxerxes III. gegen die Phönikier sowie Ägypter gekämpft und war vielleicht namengebend für die biblische Gestalt. Schon Martin Luther verwies auf die besondere dramaturgische Eignung des Judith-Themas. Seit dem 16. Jh. war es Inhalt zahlreicher Schauspiele, und auch in der Bildenden Kunst erfreute sich das Motiv in Form von Gemälden und Plastiken großer Beliebtheit.

Aber nicht alle Darstellungen einer jungen Frau mit Schwert und abgetrenntem Männerkopf müssen Judith und Holofernes zeigen. Auch * Tomyris mit dem Haupt des Perserkönigs * Kyros d. Gr. wird auf die gleiche Weise wiedergegeben.


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