Kanon, griechisch, "Rohrstab", "Maßstab", "Leitfaden",

1) in der Antike von Praxiteles und vor allem von * Polyklet mit dem Ziel der Idealform in der Bildenden Kunst entwickelte Proportionslehre von der Gestaltung und dem Verhältnis der Teile des menschlichen Körpers zueinander. So sollte gemäß dieser Harmonielehre z. B. beim weiblichen Körper der Abstand zwischen den Brustwarzen sowie der Abstand von den Brüsten zum Nabel und der Abstand vom Nabel bis zur Gabelung der Beine gleich groß sein. Im Zusammenhang mit dem Kanon steht auch die Unterscheidung zwischen * Standbein und * Spielbein (* Kontrapost). Eine Wiedergeburt erlebte der Kanon der Antike in der Renaissance, wobei Sandro Botticelli der erste Maler war, der mit dem heute in den Uffizien in Florenz aufbewahrten Gemälde "Geburt der Venus" (um 1486) als erster bewusst den Kanon der Antike wiederaufnahm.

2) In der Theologie die Sammlung der von der Kirche als echt anerkannten so genannten kanonischen Schriften des AT und des NT., beruhend auf Konzilentscheidungen. "Canon missae" bezeichnet die gleichbleibenden (Gebets-)Teile der hl. Messe.

3) Bewertungsschlüssel der mittelalterlichen Lateinschule zur Beurteilung der Leistungen der Schüler. Davon abgeleitet ist der volkstümliche Ausdruck "unter aller Kanone" (als Übersetzung von "sub omni canone").


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Kanonbild »


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