Kanzel, von lateinisch cancelli, "Schranken", "Einzäunung".

Um von den Gläubigen bei der Predigt gesehen zu werden, stiegen die Geistlichen seit dem 4. Jh. auf den über mehrere Stufen erreichbaren * Ambo. Von hier aus wurde die Heilige Schrift verlesen und auch gepredigt. Oft gab es zwei Ambonen, ein Ambo diente dann zur Lesung der * Episteln, und vom anderen wurde das * Evangelium verlesen. Ende 12. Jh. ersetzte eine halbhohe Wand, der so genannte * Lettner, für gewöhnlich die niedrigen * Chorschranken.

Die beiden Lesepulte waren oft fixe Bestandteile des Lettners, wobei diese Ausführung dann meist Lettnerkanzel genannt wurde. Manchmal diente der Lettner auch als Sängerbühne. Mit der zunehmenden Bedeutung der Predigt am Beginn des 13. Jh. entwickelten sich in Italien aus den Lettnerkanzeln die ersten freien Kanzeln. Sie befinden sich oft nicht in unmittelbarer Nähe des Altars, sondern im Laienraum, damit der Priester bei der Predigt den Gläubigen möglichst nahe ist und von allen gesehen und gehört werden kann. Zumeist sind die Kanzeln an einer Säule oder an einem Langhauspfeiler angebaut. Um die Worte der Predigt nicht in der Höhe des Kirchenschiffs verhallen zu lassen, haben Kanzeln vereinzelt ab der Spätgotik und allgemein seit der Renaissance als Überdachung einen * Schalldeckel, auch Kanzelhaube oder Kanzelhimmel genannt.


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