Kupferstich, abgekürzt auch Kupfer, vermutlich im 1. oder 2. Drittel 15. Jh. von namentlich nicht bekannten Künstlern in Süddeutschland entwickeltes erstes * Tiefdruckverfahren.

Als Druckplatte dient eine plane, geschliffene und polierte, je nach Größe zwischen 1-5 mm dicke Kupferplatte, in die mit * Sticheln in spanabhebender Tätigkeit Darstellungen (spiegelbildlich) eingetieft werden. Da für das linienförmige Ausnehmen der Darstellungen in erster Linie der Grabstichel Verwendung findet, bezeichnete man den Kupferstich im 19. Jh. auch als Grabstichel- oder Linienmanier.

Manchmal wird die Platte zuerst mit einer Kreideschicht versehen und in diese das Motiv durch * Anreißen vorgezeichnet oder seitenverkehrt mittels einer * Pause aufgetragen. Der auf den Stichel ausgeübte Druck bestimmt die Breite der Ausnehmung und damit die Menge der aufnehmbaren Druckerschwärze. Grate werden mit einem Schabeisen entfernt. Beim Vorgang des Druckens wird nach der so genannten französischen Methode die Kupferplatte angewärmt, bevor man sie mit * Druckerschwärze einstreicht. Die Farbe verteilt sich dadurch leichter in den Ausnehmungen.

Es kann aber auch die kalte Druckplatte tamponiert, d. h. mittels eines Stoffballens mit Druckerschwärze bestrichen werden. Anschließend wischt der Kupferstecher die Platte wieder blank, so dass die Druckerschwärze nur in den Ausnehmungen haftet. Bleiben bei diesem Vorgang, der Klarwischen genannt wird, Reste von Druckerschwärze auch auf den blanken Stellen, so ergibt das beim Abdruck auf dem Blatt an den Stellen, die sonst Weiß sein würden, einen leichten Grauschleier, der * Lappenton genannt wird. Anfänglich wurden die Darstellungen der Druckplatte durch Anreiben des Papiers (wie beim * Reiberdruck) auf das Blatt übertragen.

Später fanden Druckerpressen Verwendung und seit dem 16. Jh. zweiwalzige Druckerpressen, so genannte Walzenpressen, mit denen die eingravierten Zeichnungen unter hohem Druck auf das leicht angefeuchtete Papier übertragen werden. Durch den Anpressdruck ist der Rand der kupfernen Druckplatte auf dem Blatt als Eintiefung zu sehen (* Plattenrand). Farbige Kupferstiche sind selten. Es ist für jeden Farbauftrag eine separate Druckplatte erforderlich. Gebräuchlich war dagegen die * Handkolorierung von Kupferstichen.

Bei dem ältesten datierten Kupferstich handelt es sich um ein 1446 entstandenes Blatt mit der Darstellung der Geißelung Christi, eine deutsche Arbeit, die aus der Renouvier'schen Sammlung zu Montpellier nach Berlin in das Kupferstichkabinett gelangte. Undatierte Kupferstiche, die von einem mit dem * Notnamen "Spielkartenmeister" bedachten * Briefdrucker stammen, gelten als noch älter, ebenso wie die Werke des Stechers des Marienlebens. Zu den bekannten frühen Kupferstechern zählen u. a. Israhel Meckenem (vor 1450-1503), Martin Schongauer (vor 1450-1491) und der * Monogrammist E. S., dessen um 1460 entstandenes Blatt "Maria von Einsiedeln" besonders bekannt wurde.

Als Höhepunkte deutscher Kupferstichkunst gelten die Werke * Albrecht Dürers, des zumeist in Deutschland tätigen J. * Amman und auch die von A. * Altdorfer. Zahlreich vertreten sind heute die Pferde- und Wild- bzw. Jagdstiche aus dem Atelier des Malers und Kupferstechers J. E. * Ridinger und seiner Söhne (ca. 1600 Motive) sowie Arbeiten des böhmischen Zeichners und Kupferstechers Wenceslaus Hollar (1607-1677), der, abgesehen von Prag, u. a. in London, Antwerpen sowie Tanger tätig war und von dem es besonders viele Stadtansichten gibt.

Probedrucke ohne den Namen des Herstellers wurden früher meist mit dem französischen Ausdruck avant la lettre (vor der Beschriftung) bezeichnet. Vgl. * Épreuves d'artiste. Das fertige Blatt nach der Beschriftung heißt * après la lettre oder * avec la lettre. Bisweilen weisen Kupferstiche mehrere Namen auf, die häufig mit lateinischen Anmerkungen versehen sind, die folgende Bedeutungen haben:

Inv. (* invenit) = er hat (es) erfunden, entworfen;
del (* delineavit) = er hat (es) gezeichnet;
sc. (* sculpsit) = er hat (es) gestochen und
exc. (* excudit) = er hat (es) gedruckt. Vgl. * Adresse.

Da die Darstellungen eingeritzt, also vertieft sind, wird zum Unterschied vom * Holzschnitt (* Hochdruck) von einem Tiefdruck gesprochen. Im 17./18. Jh. war es üblich, Gemälde in Form von Kupferstichen zu vervielfältigen. Von der Vorgangsweise abgeleitet ist der Ausdruck "abkupfern", für etwas kopieren, nachmachen. Vgl. * Reproduktionsstecher, * Peintre-graveur, * Originalgraphik. Wegen des weichen Materials kann von einer Kupferplatte nur eine beschränkte Anzahl von Abdrucken hergestellt werden. Je nach Art der Kupferdruckplatte sind ca. 200 sehr gute, danach ca. 600 gute und in weiterer Folge noch ca. 800 mittelmäßige Abdrucke möglich. Manchmal wird auch die Zahl 1000 als Obergrenze der erzielbaren Drucke angegeben. Durch das * Aufstechen der Platten erzielte man früher weitere Blätter; diese Folgedrucke sind aber von minderer Qualität. Seit Erfindung der * Galvanotechnik besteht die Möglichkeit, die Kupferplatten zu "verstählen", d. h. sie werden mit einer dünnen Stahlschicht überzogen, um ihre Abnutzung zu verhindern.


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