Labyrinth, von vorgriechisch labrys, "Doppelaxt",

Bezeichnung für ein System zusammenhängender, oft mäanderförmig abgewinkelter, verzweigter Irrgänge und Räume, die Nichteingeweihten weder den Hauptraum noch den Ausgang finden lassen sollen.

Spätere Einbauten im Palast von Knossos auf Kreta machten die Anlagen unübersichtlich und verzweigt. Da an den Wänden des Palastes zahlreiche Darstellungen von Doppeläxten (labrys) zu finden sind, wurde der Bau Labyrinth genannt. Das aus der Zeit um 1500 v. Chr. stammende Gangsystem soll bis zu 3000 Gänge umfasst haben, innerhalb derer im Lauf der Zeit zahlreiche Tempel und Wohnstätten für Priester angelegt worden waren. Das erste Labyrinth im kretischen Knossos soll der griechischen Sage nach * Dädalus für den Stiermenschen Minotaurus gebaut haben. Es diente dem Mischwesen als Behausung und bestand aus unübersehbar verschlungenen und verzweigten, in die Irre führenden Gängen, aus denen niemand wieder herausfand (* Ariadne, * Dädalus, * Minotaurus).

Früher schon wurden Irrgänge von ägyptischen Baumeistern bei Grabbauten angelegt, um diese vor Grabräubern zu schützen. Alte Darstellungen zeigen Labyrinthe oft als Ornamente in der Form eines * Mäanders, so z. B. auf minoischen Münzen und griechischen Vasen. Labyrinthe finden sich auch auf den Fußböden mittelalterlicher Kirchen, etwa in den Kathedralen von Amiens und Chartres. Sie symbolisieren das Leben mit all seinen Schwierigkeiten. Man bezeichnete sie als "Jerusalemsweg", weil Gläubige, für die eine * Wallfahrt in das Heilige Land unmöglich war, als Buße auf den Knien das Labyrinth entlangrutschten. Als ältestes Labyrinth dieser Art gilt das Bodenmosaik in der Reparatus-Basilika in Orléansville/Algerien aus dem Jahr 324 n. Chr. (Im Zentrum solcher Labyrinthe ist bisweilen der Name des Baumeisters vermerkt.) Vor allem im Barock waren in Gartenanlagen Irrwege aus gestutzten Hecken beliebt.


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