Mumienporträt, meist mit Wachsfarben in * Enkaustik auf Holz gemaltes Brust- oder Kopfbildnis eines Verstorbenen, das über dem Antlitz des mumifizierten Toten in eine rahmenartige Aussparung der Mumienbinden eingesetzt wurde.

Der Hauptfundort von Mumienporträts ist das Becken von Al Faijum südwestlich von Kairo. Die aus dem 1.-4. Jh. n. Chr. stammenden * Frontalansichten weisen bisweilen eine leicht seitliche Kopfdrehung auf. Anders als bei der ägyptischen Malerei der Zeit sonst üblich, wurde bei den Mumienporträts auch der Licht- und Schatteneinfall berücksichtigt. Den Mumienporträts schreibt man im allgemeinen * hellenistische Provenienz zu. Insgesamt sind über 500 Mumienporträts erhalten. Sie haben meist hochrechteckiges Format, mit den Abmessungen 50 x 30 oder 30 x 20 cm. Es gilt als gesichert, dass es sich bei den Malereien um individuelle * Porträts handelt. Da Fälle bekannt sind, wo zwischen dem Alter des Dargestellten auf dem * Bildnis und dem Alter des Verstorbenen eine Altersdifferenz von bis zu 30 Jahren besteht, ist erwiesen, dass es sich bei den Bildern nicht immer um spezielle Totenporträts handelte, sondern dass sie irgendwann im Lauf des Lebens des Porträtierten von Berufsmalern hergestellt wurden.

Daneben existieren auch laienhaft ausgeführte Exemplare, die tatsächlich erst nach dem Tod angefertigt worden sein dürften. Da im römischen Reich Totenmasken verwendet wurden, die als plastische Abbilder im Frühchristentum von der Kirche aber verboten waren, nimmt man an, dass die Christen in Ägypten auf Mumienporträts auswichen. Aus ihrer Heimat geflüchtete Judenchristen siedelten sich im 1./2. Jh. n. Chr. in großer Zahl - es wird von über einer Million gesprochen - im Norden Ägyptens an.


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