Niello, von mittellateinisch nigellum, "schwärzlich",

Synonym für Tulaarbeit, eine schon in der Antike von Plinius und im Mittelalter von * Theophilus beschriebene schwärzliche Metalldekoration im allgemeinen bei Silbergegenständen, im 18./19. Jh. auch als Blachmal bezeichnet. Bei dem Verfahren wird eine Mischung von Silber, Kupfer, Blei, Borax und Schwefel in gravierte, im 19. Jh. auch in geätzte Vertiefungen eingelagert, durch Hitze zum Schmelzen gebracht und nach dem Erkalten poliert.

Das schon in mykenischer Zeit bekannte Verfahren erfreute sich auch in Gallien und Hispanien großer Beliebtheit. Von Spanien ausgehend, wurde die Niello-Technik dann von den Westgoten und Arabern übernommen; der bekannteste in Niellotechnik verzierte Kunstgegenstand dieser Zeit ist der so genannte * Tassilokelch. In der Renaissance erreichte Niello eine neue Blüte. So existiert eine von B. * Cellini verfasste schriftliche Anleitung zum Niellieren. Im Barock kam das Verfahren selten zur Anwendung.

Den größten Bekanntheitsgrad erreichte das Niello im 19. Jh. durch die in Tula (Russland) ansässigen Niellierer. Seitdem werden mit Niello verzierte Gegenstände auch * Tulaarbeiten (Tulasilber) genannt. Ein spezielles Verfahren des Niellierens entwickelte der seit 1830 in Paris sesshafte Berliner Juwelier und Silberschmied Carl Wagner (1799-1841). Seine im Stil der Neorenaissance ausgeführten Motive beeinflussten u. a. die Entwürfe von Froment-Meurice.


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