Palladianismus, klassizistischer Baustil, der parallel zum Manierismus, Barock und Rokoko in Italien, Frankreich und vor allem in England üblich war.

Benannt ist der Palladianismus nach dem itallienischen Baumeister A. * Palladio (1508-1580), der einen der römischen Antike nachstrebenden Baustil entwickelte, für den besonders tempelartige Fassaden typisch sind. Bei seinen Kreationen orientierte er sich u. a. an den Bauwerken Donato Bramantes (1444-1514) und an den Büchern * Vitruvs. Palladio seinerseits publizierte das vielbeachtete Werk "I quattro libri dell' architettura ..." (Die vier Bücher über Architektur ...). Der neue Monumentalstil wurde besonders bei Kirchen und profanen Repräsentationsbauten angewendet.

Palladio selbst baute u. a. in Venedig die Kirchen S. Giorgio Maggiore und Il Redentore sowie in Vicenza das Teatro Olimpico und die Villa Rotonda. Während der Palladianismus in Italien als Abkehr vom Manierismus und als klassizistische Gegenströmung zum beginnenden Barock verstanden wurde, löste er in Frankreich einen barocken Klassizismus aus, * Classicisme genannt. In England wurde der Palladianismus vor allem durch Inigo Jones und William * Kent verbreitet. Es entstand auch ein für die Ausstattung der palladianischen Häuser passender klassizistischer Möbelstil. Vor allem Kent und sein Mitarbeiter John Vardy waren die populärsten Entwerfer solcher mit Gesimsen, Giebeln, Löwenköpfen und -klauen versehenen Möbel. Nach ihren Entwürfen entstanden auch aufwendige spätbarocke Stuckarbeiten und mit * Blattgold versehene reich beschnitzte * Paneele. Palladio selbst soll keine Möbel entworfen haben. Im 18. Jh. wurde auch die Bauweise der Landsitze in den Kolonien stark vom Palladianismus beeinflusst (* Kolonialstil).


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Palladio »


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