Parzival, Parsival, Parsifal, Perceval. Die mittelalterliche Sagengestalt ist das Urbild des christlichen Ritters, bei dem Ritterpflicht, Minne und Gralsdienst vereint sind.

Parzival ist Held des unvollendeten Romans "Perceval li Galois" (um 1190), der von Chrétien de Troyes stammt, sowie des etwa um 1197-1210 entstandenen und aus sechzehn Büchern bestehenden Gedichtes "Parzival" von Wolfram v. Eschenbach. Obwohl der unvollständige Roman von Chrétien de Troyes (der auch den Roman * Lanzelot schrieb) im allgemeinen als älter angesehen wird, gilt der Parzival Eschenbachs als vom Inhalt her ursprünglicher. Mit dem Thema befasst haben sich auch noch andere Dichter, wobei vor allem Robert de Boron zu erwähnen ist, der die Geschichte in drei Teile gegliedert hat und der als erster den * Gral als jene Schale beschrieb, in der * Josef von Arimathia bei der Kreuzigung das Blut Christi auffing.

Als Vorbild für diese mittelalterlichen Werke dürften altkeltische Sagen gedient haben, die von Helden mit ähnlichem Schicksal berichten. Von allen am bekanntesten ist der Parzival Eschenbachs, auf den in der Folge Bezug genommen wird. Der Inhalt umfasst vor allem zwei Themen: zum einen wird die Geschichte um den Artus-Ritter Gawan (Gauwein) berichtet, zum anderen die Suche Parzivals nach dem Gral. Nach dem Tod seines Vaters Gahmuret, des Königs von Anschouwe (Anjou), lebte Parzival mit seiner Mutter Herzeloyde in der Abgeschiedenheit des Waldes, in die sich seine Mutter zurückgezogen hatte, damit Parzival niemals Gelegenheit erhalte, das Ritterhandwerk zu erlernen.

Als Jüngling trifft Parzival im Wald auf Ritter, die er ihrer prächtigen Erscheinung wegen zunächst für Götter hält. Sie berichten ihm vom Hofe König Arturs, den aufzusuchen Parzival beschließt. Damit dieses Vorhaben scheitere und er zurückkehren müsse, erhält er von seiner Mutter ein schlechtes Pferd und eine Narrenkappe. Parzival gelangt trotzdem an den Hof und überbringt dem König eine Botschaft des Roten Ritters, der sich rühmt, einen goldenen Becher Arturs gestohlen zu haben und der damit einen der Ritter Arturs zum Zweikampf herausfordert. Mit Einwilligung des Königs kämpft Parzival mit Ither, dem Roten Ritter, den er besiegt und dessen rote Rüstung er anlegt. Danach entfernt Parzival sich vom Hof des Königs, erhält von dem alten Ritter Gurnemanz Unterkunft und wird von diesem zum Ritter ausgebildet.

Parzival wird gelehrt, unziemliches Daherreden zu lassen und nicht so viele Fragen zu stellen. Nicht zu fragen wirkt sich allerdings in der Folge für Parzival schrecklich aus. In alle Tugenden und Kampftechniken eingeweiht, verlässt Parzival seinen Lehrer und zieht weiter. Er trifft auf eine umstellte Burgsiedlung, nimmt die Anführer der Belagerer gefangen und lässt sie an den Hof König Arturs bringen, wo sie von der tollkühnen Tapferkeit Parzivals berichten. Parzival vermählt sich mit Kondwieramurs, der Burgherrin, verlässt diese jedoch nach einiger Zeit, um seine Mutter aufzusuchen, von deren Tod er noch keine Kunde hat. Auf dem Weg in seine Heimat gelangt er zu der Gralsburg. Eingedenk der Mahnung seines Lehrmeisters, nicht so viel zu fragen, versäumt er, sich nach dem Leiden des Gralskönigs Amfortas zu erkundigen, und wird deshalb von der Gralsbotin Kundrie aus der Tafelrunde König Arturs ausgeschlossen. Erfüllt von Trotz gegen Gott und die Welt, erlangt Parzival nach zahlreichen schweren Kämpfen und Schicksalsprüfungen schließlich mit Hilfe des Einsiedlers Trevrizent, der sich als sein Onkel zu erkennen gibt, hohe moralische Reife und wird selbst König der Gralsburg.

Die bedeutendste neuere Bearbeitung des Parzival-Themas ist das von R. Wagner stammende Bühnenweihfestspiel "Parsifal", das 1882 im Bayreuther Festspielhaus uraufgeführt wurde. Der Ritter Parzival zählte zu den beliebten Motiven der Bildenden Künstler der 2. Hälfte 19. Jh.


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