Perspektive, von lateinisch perspicere, "mit Blicken durchdringen", "hindurchsehen",

Bezeichnung für die Wiedergabe von Dreidimensionalität auf einer ebenen Bildfläche, wobei der vom Betrachter mit zunehmender Entfernung der Dinge empfundenen Verkürzung und Größenabnahme Rechnung getragen wird. Vom Betrachter weiter wegführende, bei der Darstellung gleichsam in die Tiefe des Bildes gehende Strecken werden schräg sowie verkürzt wiedergegeben. Je weiter die Strecken in der Natur vom Betrachter entfernt liegen, desto stärker werden sie bei der Wiedergabe verkürzt, d. h. kleiner dargestellt.

Die ersten Versuche, Figuren durch Schrägstellung und Verkleinern plastisch wiederzugeben, machten die Griechen (* Reicher Stil, * Rotfiguriger Stil). Da in der griechischen Kunst nur Menschen oder mythologische Figuren das Hauptmotiv bildeten, wurden Landschaften, Bauten und andere Dinge anfangs noch nicht in Schrägstellung wiedergegeben. Der Übergang zur Raumperspektive fand im 5./4. Jh. v. Chr. bei der attischen Bühnenmalerei (Skenographia) statt. Echte * Architekturbilder, mit geometrisch fundierten perspektivischen Verkürzungen, gab es erstmals um 1420 n. Chr.

Die Zentralperspektive, bei der sich alle in die Tiefe laufenden Geraden auf einen Fluchtpunkt beziehen, der das Perspektivitätszentrum, den Gegenstandpunkt zum Betrachter, bildet, wurde erstmals im * Quattrocento angewendet. Erfunden haben soll die Zentralperspektive der Florentiner Künstler und Baumeister Filippo Brunelleschi (1377-1446). Das Protobeispiel eines Bildes mit einheitlicher Zentralperspektive ist das 1427 von Masaccio gestaltete Dreifaltigkeitsfresko in Santa Maria Novella in Florenz.

Die erste schriftliche Darlegung der Prinzipien der Perspektive erschien 1435 in dem Werk "De Pictura" (über das Malen) des Architekten, Malers und Schriftstellers Leon Baptista Alberti (1404-1472). In seinem Buch führt Alberti aus, dass alle Gegenstände umso kleiner erscheinen, je weiter sie vom Betrachter entfernt sind. Er empfiehlt die Verwendung eines Rahmens mit darin senkrecht und waagrecht gespannten Fäden, um durch diesen Netzrahmen, wie durch ein Fenster, die darzustellenden Objekte zu betrachten. Der Maler kann mit Hilfe dieses Gitterrahmens die Konturen der Gegenstände genau in den Winkeln und Proportionen sehen, in denen er sie wiedergeben muss, nämlich im Verhältnis zu den vertikal und horizontal gespannten Fäden des Gitters.

Die parallelen Linien rücken um so näher zusammen, je weiter sie vom Betrachter entfernt sind, um sich dann in der Ferne in einem Punkt zu treffen. Dieser imaginäre Punkt wurde früher Zentralpunkt genannt, heute bezeichnet man ihn als Fluchtpunkt. Die Höhe dieses Punktes, in dem alle parallelen Linien zusammenlaufen, befindet sich auf der so genannten Horizontlinie, die immer auf einer Ebene mit dem Auge des Malers liegt und deshalb auch Augenlinie genannt wird. Alberti meinte, dass es keine Rolle spiele, wie viele parallele Linien es in einem Bild gäbe, sie träfen sich auf ihrem Weg zum Zentralpunkt (Fluchtpunkt) immer auf der Horizontlinie. Wenn sich der Maler einmal entschieden hat, wo in seinem Gemälde diese Linie liegt, lässt er in der Horizontlinie alle parallelen Linien zusammenlaufen, die sich dann in der Ferne im Fluchtpunkt treffen.

Seit der Renaissance diente der * Netzrahmen allgemein als Hilfsmittel für die Einteilung der Bildfläche in Felder und die Darstellung perspektivischer Verkürzungen. Die bei fortschreitender Entfernung auftretende Unschärfe der Dinge, wie wenn ein Dunstschleier die klare Sicht nehmen würde, bis hin zur Auflösung der Konturen heißt Luft-, atmosphärische- oder Verschleierungsp. Auswirkungen auf die Perspektive haben auch Farben (Farbperspektiven). Rot-Orange-Töne erwecken den Eindruck von Nähe, Blau-Grün und Hellblau, in Verbindung mit helleren Farben, d. h. einer geringeren Farbintensität, suggerieren Raumtiefe, eine größere Entfernung vom Betrachter. Auch die Hintereinanderstaffelung von Gegenständen bewirkt ein Gefühl von Raumtiefe. Die Künstler des * Kubismus gaben die Gegenstände gleichzeitig mit mehreren perspektivischen Ansichten wieder. Vgl. * Bedeutungsperpektive.


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