Physiologus(griechisch physiologos), lateinisch, "Naturkundiger",

Griechische Handschrift mit 42 mythologisch-zoologischen Abhandlungen über Tiere sowie vier Kapiteln über Steine und zwei Betrachtungen über Pflanzen. Die Urfassung des Physiologus entstand vermutlich im 2. Jh. in Alexandria. Da sich das Buch besonders eingehend mit den Tieren befasst, trägt die im 4. Jh. n. Chr. entstandene lateinische Übersetzung den Titel "Bestiarium". Der unbekannte Autor beschreibt Aussehen und Eigenschaften von Fabel- sowie tatsächlich existierenden Tieren und stellt einen Zusammenhang mit der christlichen Heilslehre her.

Seit dem 10. Jh. wurden der Schrift Auszüge aus Werken der Antike, z. B. von Plinius, und Auslegungen der Kirchenväter angefügt. Der Physiologus war neben der Bibel das am meisten verbreitete Buch des Mittelalters. Er hatte Vorbildwirkung für * zoomorphe Gestaltungen der mittelalterlichen Kunst und bildete die Grundlage für * Ikonographie und Symbolsprache, die Tiere betreffend. Die deutsche Übersetzung des Physiologus scheint um 1070 im Kloster Hirsau entstanden zu sein und wurde unter dem Titel "Reda umbe diu Tier" veröffentlicht. F. Lauchert bearbeitete 1889 die älteste überlieferte Ausgabe. Der "Physiologus Bernensis" wurde 1964 von O. Homburger als * Faksimile-Band herausgegeben. Eine vereinfachte Ausgabe des Physiologus/Bestiarium erschien 1986.


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