Assumptio, lat., "Aufnahme".

Terminus für bildliche Darstellungen der * Himmelfahrt, der leiblichen Aufnahme * Marias in den Himmel. Das Motiv ist in der byzantinischen Kunst bis zum 13. Jh. meist mit dem Tod Marias (* Koimesis) verbunden, wobei die Seele aus dem Leib entweicht, gegen den Himmel schwebt und von Christus empfangen wird. Die westliche Kunst kennt auch die Darstellung vom Tod Marias (* Dormitio Mariä). Im Westen entwickelte sich daneben aber ein eigenen Bildtypus der Himmelfahrt ("Assumptio Beatae Mariae Virginis"), dessen Darstellung sich seit dem 13. Jh. auch in der Ostkirche großer Beliebtheit erfreute. Zufolge der * Legenda aurea kehrte die Seele, die sich beim Tode Marias vom Körper gelöst hatte und in den Himmel aufgefahren war (lat. transitus, "Hinübergang"), in den Leib zurück, als die * Apostel Maria bestatten wollten, und Maria entschwand, von Engeln getragen, in den Wolken. Am Grab zurück blieben nur Rosen. Außerbiblische Quellen berichten, dass der Apostel Thomas nicht anwesend war und an der Himmelfahrt Marias zweifelte. Zum Beweis soll ihm Maria deshalb ihren Gürtel zugeworfen haben (* Gürtelspende). Während auf frühen byzantinischen Bildern die Himmelfahrt der von Christus und Engeln geleiteten Seele Marias in Form eines kleinen Kindes dargestellt wird, ist auf der ältesten westeuropäischen Darstellung der Himmelfahrt Marias die Muttergottes als erwachsene Frau zu sehen. Es handelt sich um ein in der Stiftsbibliothek in St. Gallen aufbewahrtes, um 900 entstandenes Elfenbeinrelief. Eine frühe Darstellung der in einer * Aureole von Engeln zum Himmel getragenen Maria stellt das Hildesheimer Orationale aus dem 11. Jh. dar (Dombibliothek Hildesheim, Cod. 688).  Die überwiegende Zahl der Darstellungen der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel (* Assumptio) sind abendländische Werke aus Renaissance und Barock. 


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