Reichsinsignien, Herrscherinsignien, die vom 10. Jh. bis 1806 gebräuchlichen Herrschaftszeichen der mittelalterlichen deutschen Könige und der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Die Reichsinsignien und die * Reichskleinodien sollten als Staatssymbole den Bestand des Reiches sichern. Erwähnung finden die Reichsinsignien erstmals 1246 im Übergabeinventar der Veste Trifels an Konrad IV. durch die Kastellanin Ysengard von Falkenstein. Die anfangs in Reichsburgen und der Krönungsstadt Aachen aufbewahrten Reichsinsignien befanden sich 1424-1796 mit Unterbrechungen in Nürnberg, seit 1797 vorübergehend und seit 1813 bleibend in Wien. Während der nationalsozialistischen Besatzung Österreichs waren die Reichsinsignien auf Befehl Adolf Hitlers nach Nürnberg "rückgeführt" worden.

Die Reichsinsignien symbolisierten das Reich, mittelalterliche Geschichtsschreiber sahen in ihnen sogar "das Reich" an sich (".. insignia, que imperium dicuntur ..."). Bei der Krönung wurden * Krone, * Zepter und * Reichsapfel überreicht. Das Reichsschwert (Mauritiusschwert) trug der Erbmarschall des Reiches voran. In Krönungsprotokollen wird ferner von der "Umgürtung" des Herrschers mit dem "Säbel Karls d. Gr." berichtet, der vermutlich aus der Awarenbeute stammt. Früher galt der Säbel als Geschenk Harun Ar Raschids an Karl d. Gr. Die dritte Blankwaffe, die bei der Krönung eine Rolle spielte, war das "Zeremonienschwert", das der neugekrönte Herrscher nach der kirchlichen Zelebration bei der Erteilung des Ritterschlages führte. Es gehörte zu dem Ornat, den Kaiser Friedrich II. 1220 bei der Kaiserkrönung trug.

Die Datierung der Reichskrone ist umstritten, meist wird heute die Ansicht vertreten, sie sei für die Kaiserkrönung Ottos d. Gr. (912-973, deutscher König seit 936, Kaiser seit 962) angefertigt worden (Kugler). Aufgrund der Steinfassungen und der Ausführung des Emails wird auch eine Entstehung vor 980-990 in Betracht gezogen (Fillitz). Anderseits werden die Kronenplatten in die frühe Salierzeit datiert (Schulze-Dörrlamm). Kreuz und Bügel sind jedenfalls jüngeren Datums, der Bügel der Krone wird mit Konrad II. in Verbindung gebracht ( König seit 1024). Von 1804-1806 stellte die Krone die Bekrönung des Wappens des im Rahmen des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation neugegründeten österreichischen Kaiserstaates dar.

Zu den Reichsinsignien zählte auch die von König Heinrich I. erworbene Heilige Lanze, deren Blatt mit * Tülle eine Länge von 51 cm hat und in deren Mitte ein als heiliger Nagel geltendes Eisenstück eingesetzt ist. Legenden nach gehörte die Lanze einst dem hl. Mauritius, dem Anführer der Thebaischen Legion, oder aber dem römischen Hauptmann * Longinus. Erwähnung findet die Lanze erstmals 921/922, als Graf Samson und seine Partei dem Burgunderkönig Rudolf mit dieser Reliquie die Herrschaft über das regnum Italicum übergaben. Als Entgelt für die Abtretung der Lanze erhielt der Burgunderkönig Rudolf II., wahrscheinlich 935, beim Fürstentreffen von Ivois von König Heinrich I. (+936) die Südwestecke des Regnum Theutonicorum einschließlich Basel. Die Heilige Lanze wird gleichfalls in der Schatzkammer in Wien aufbewahrt und stellt die vielleicht bedeutendste Reliquie des Kaiserschatzes dar.


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