Reimser Schule, Sammelbegriff für karolingische Buchmalereien, die unter dem Patronat des Erzbischofs Ebo (Ebbo) von Reims entstanden.

Sie schließen zeitlich an die * Palastschule Karls d. Gr. an. Ebo war der Sohn eines Freigelassenen und der Milchbruder, später auch Bibliothekar Kaiser Ludwigs d. Frommen (778-840, Kaiser seit 814), der ihn 816 zum Bischof von Reims ernannte. Als das Hauptwerk der Reimser Schule gilt der * Utrecht-Psalter, dessen * Illuminationen zum Teil auf hellenistische Vorbilder zurückgeführt werden, dessen Federzeichnungen aber auch den Stil des Ebo-Evangeliars widerspiegeln, das gleichfalls zu den Kernstücken der Reimser Schule zählt. Es befindet sich heute in der Bibliothèque Municipale (Stadtbibliothek) in Epernay.

Bisweilen wird die Meinung vertreten, dass der Hauptmeister des Reimser Stils, von dem das oft als Ebo-Codes bezeichnete * Evangeliar stammt, ein Schüler des Meisters des Wiener Krönungsevangeliars war, das der Palastschule Karls d. Gr. zugeordnet wird. Das Ebo-Evangeliar hat das Format 26,0 x 20,8 cm und besteht aus 178 Blatt. Es wurde vermutlich vor 823 im Kloster Hautvillers in der Nähe von Reims unter Abt Petrus für den Erzbischof hergestellt. Auffallend an den * Illuminationen ist der * antikisierende Stil, wie er in der Spätzeit der Palastschule Karls d. Gr. üblich war, sowie die schwungvolle malerische Bewegtheit der Figuren. Noch auffälliger bei den Figuren des Ebo-Evaneliars ist die sehr enge, meist quer verlaufende Fältelung der Gewandungen. Bisweilen scheinen die Falten ein Eigenleben zu führen, überschneiden sich und sind manchmal auch zickzack oder spiralig gestaltet.

Die Gestaltung der Drolerien auf den Giebeln der Kanontafeln erinnert an die Art der Linienführung im Utrecht-Psalter. Neben den beiden Werken werden noch weitere Handschriften der Reimser Schule zugeordnet, u. a. ein Psalter in Troyes (Schatzkammer der Kathedrale) und als Ausklang der Reimser Schule die von Karl d. Kahlen in Auftrag gegebene Bilderbibel (Bibel von San Paolo fuori le mura), die spätestens 1080 als Geschenk für den Papst nach Rom gelangte und seit 1646 im Schatz der Benediktinerabtei S. Paolo fuori le mura in Rom nachweisbar ist.


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