Rheinisches Steinzeug, seit dem 12. Jh. im Rheinland von * Kannenbäckern hergestellte keramische Waren, da es dort Tonlager von hoher Qualität gab.

Im 12. Jh. wurde großteils unverzierte, nur bis 900° C gebrannte Irdenware produziert, deren * Scherben nicht gesintert, d. h. noch porös und wasserdurchlässig war. Erst im 13. Jh. entstand dann das so genannte Frühsteinzeug, das dem eigentlichen * Steinzeug schon sehr nahe kam und bei dem der Fußrand der Gefäße bereits das für das Rheinische Steinzeug typische wellige Gepräge aufweist. Charakteristisch sind auch die bei fast allen Gefäßen vorhandenen waagrecht verlaufenden so genannten Drehrillen.

Zu den frühen Zentren zählten vor allem Siegburg, ferner Frechen, Langerwehe und Raeren. Auch Köln war ein Zentrum der Herstellung, vor allem aber des Handels, von wo aus die aus beigem bis grauem Material bestehenden und meist mit rotbrauner, manchmal "geflammt" aussehender * Glasur überzogenen Tonwaren in viele Städte Europas exportiert wurden.

Im 14. Jh. entstand das erste verzierte Rheinische Steinzeug, mit einfachem Nuppendekor oder mittels Modeln gestalteten Reliefauflagen, z. B. Marienbildern. Seit dem 16. Jh. lassen sich die typischen bauchigen * Bartmannskrüge und die ca. 30 cm hohen zylindrischen Bierhumpen, die so genannten "Schellen", nachweisen. Sie sind schmal, verjüngen sich nach oben zu etwas und haben in späterer Zeit oft einen Zinndeckel. Von den Töpfern namentlich bekannt sind Arno Knütgen, Hans Hilgers und F. Trac; sie waren in Siegburg ansässig.

Die Töpfer wurden auch "Ulmer" genannt, von althochdeutsch ul, ule, "Kochtopf", von lateinisch olla, "Topf".


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