Riesener, Jean-Henri (1734-1806), deutsch-französischer Kunsttischler und Bronzekünstler.

Der aus Gladbeck/Westfalen stammende Kunsthandwerker war einer der bekanntesten und teuersten Möbelentwerfer seiner Zeit. 1754/55 trat Riesener in die Werkstatt des berühmten Pariser * Ebenisten François * Oeben ein. Nach dessen Tod übernahm Riesener 1763 den Betrieb, heiratete 1767 die Witwe Oebens und erwarb 1768 das Meisterrecht. 1769 vollendete Riesener das 1760 von Oeben begonnene Bureau du Roi, das * Zylinderbureau Ludwigs XV., eines der prunkvollsten und aufwendigsten Möbel des 18. Jh.

Großen Anteil an den * Marketeriearbeiten des Zylinderbureaus hatte der Bildhauer Jean Claude Thomas du Plessis. Die * Goldbronzen stammen von dem Ziseleur Louis Barthélemy Hervieux. Heute befindet sich das Bureau du Roi im Musée du Louvre in Paris. 1774 wurde Riesener zum "ébéniste du roi" (Kunsttischler des Königs) ernannt. Kurz darauf lieferte er u. a. eine mit * Marketerie und Goldbronzen reich verzierte * Kommode für das königliche Schlafgemach in Versailles (heute Wallace Collection, London). Auch in der Folge war Riesener immer wieder für den Königshof tätig.

An seinen Möbeln ist der durch den Zeitgeschmack bedingte Wandel der Stilformen gut zu verfolgen, von den wuchtigen, schweren, symmetrisch ausgeführten Möbeln über asymmetrisch angelegte, mit Rocaillen verzierte zierliche Möbel bis hin zu sachlich strengen Formen mit deutlich abgesetzter Gliederung der einzelnen Möbelteile. Zu seinen Mitarbeitern zählte auch G. * Benemann, der 1785 Meister wurde und sich dann als Ebenist selbständig machte. Da Benemann billiger arbeitete als Riesener, erhielt er schon bald den Großteil der Aufträge des Hofes. Einzig Marie Antoinette bestand darauf, dass ihre Möbel weiterhin von Riesener hergestellt würden.

Während Riesener am Beginn seiner Tätigkeit die * Marketerien, wie im * Louis-seize üblich und wie sie vor allem Marie Antoinette geliebt haben soll, mit figürlichen Motiven (schnäbelnden Vögeln etc.) Frucht- und Blumenornamenten gestaltete, zeigen seine späteren Marketerien eine einfachere Ornamentik, etwa Rautenmuster. Die sparsamere Ornamentik ist bedingt durch den Zeitgeschmack des * Directoire und des 1804 beginnenden * Empire. Aufgrund der Plünderung seiner persönlichen Habe während der Französischen Revolution (1789-99) und wegen geringer Aufträge lebte Riesener seine letzten Jahre in ärmlichen Verhältnissen.


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