Roentgen, Abraham
, Abraham Röntgen, (1711-1793), deutscher. Kunsttischler.

Nach der Lehrzeit bei seinem Vater, der Kistler war, arbeitete Roentgen in Rotterdam, Den Haag, Amsterdam und London. Für Roentgen war der Aufenthalt in England insofern prägend, als er Mitglied der * Herrnhuter Brüdergemeinde wurde und Möbel mit komplizierten mechanischen Vorrichtungen kennenlernte, für die später die Roentgen-Werkstatt berühmt wurde. 1741 gründete Roentgen in Herrnhag b. Büdingen eine eigene Möbelwerkstatt, mit der er 1750 nach Neuwied bei Koblenz übersiedelte und sich dort "English Cabinettsmaker" nannte.

Gegen 1760 war aus der Werkstatt bereits die wahrscheinlich größte deutsche Manufaktur für Möbelherstellung geworden. Das Erzeugungsprogramm war zweigeteilt. Einerseits wurden in serieller Produktion dem Pietismus entsprechende funktionelle einfache Möbel hergestellt, wie sie von Mitgliedern der Herrnhuter Brüdergemeinde gewünscht wurden, anderseits Luxusmöbel für den Adel und das wohlhabende Bürgertum. In der Werkstatt durch seinen Sohn David vertreten, reiste Roentgen 1766 erneut nach London.

Nach dem Englandaufenthalt verwendete Roentgen für Furniere anstatt Nussholz meist Eibe sowie, beeinflusst durch die Möbel * Chippendales, Mahagoni. Gleichfalls auf Chippendale gehen die Geißfuß-Möbelbeine zurück, von Roentgen mit dem englischen Ausdruck * Cabriole leg benannt. Die von Roentgen hergestellten Möbel erfreuten sich besonders wegen ihrer schönen * Marketeriearbeiten in * Schachbrettdekor großer Beliebtheit. Die Möbel wirken massiver als im * Rokoko sonst üblich. Zu den frühen Arbeiten (1745-55) zählen Schreibschränke für Schloss Laubach und Schloss Pommersfelden.

In die Zeit von 1756-68 fallen die Möbel für den Trierer Erzbischof J. Ph. von Walderdorff, die zum Teil in Schloss Molsberg aufbewahrt werden. Als dritte Epoche der Werkstatt gilt die Zeit von 1768-73, in der die Möbel vor allem durch schöne * Chinoiserien auffallen.


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Roentgen, David »


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