Romantik, aus der Literatur auf die Bildende Kunst übertragener Begriff, abgeleitet von "romantisch" in der Bedeutung "im Geiste der Ritter- und Abenteuerromane", "phantasievoll".

Der Terminus bezeichnet keinen speziellen Stil, sondern eine Geisteshaltung, die, im Gegensatz zur verstandesmäßigen Wirklichkeit, von ahnungsreicher Empfindung und Phantasie geprägt ist. Romantische Epochen gab es in der Kunst mehrmals, eine davon ist etwa die Zeit der verklärenden "Minnedienst"-Darstellungen während der Gotik; eine andere die romantischen Periode um 1500, an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, die im deutschen Sprachraum vor allem vom Humanismus und von Kaiser Maximilian I., dem "letzten Ritter" und Verehrer einer "König-Artus-Romantik.", beeinflusst war.

Die Malerei dieser Zeit zeichnete sich durch ein verinnerlichtes Naturgefühl aus, das in der * Donauschule und später in der * Schule von Barbizon seinen Ausdruck fand. Romantische Strömungen traten auch vor und während des Biedermeiers auf. Besonders die Zeit von 1790-1830 gilt als "die Romantik", obwohl romantische Tendenzen auch noch den Historismus prägten. Die Romantik im engeren Sinne löste den * Klassizismus ab, wobei es sich nicht um einen fest definierbaren, einheitlichen Stil handelt, sondern es gab innerhalb und neben der Romantik verschiedene Strömungen. Man kann von einem Pluralismus der Stile sprechen.

Im Gegensatz zu dem vorwiegend die religiöse oder die weltliche Macht (Ritterromantik) repräsentierenden Gedankengut früherer Zeiten brachte der Stil des späten 18. und beginnenden 19. Jh., als Folge der Französischen Revolution (1789-1799), vor allem das Volksempfinden und die Volkspoesie zum Ausdruck. Der weitgehend internationalen Einheitlichkeit der Kunststile bis 1790 folgte, bedingt durch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen (Industrialisierung, Liberalismus, Merkantilismus usw.), ein Nebeneinander mehrerer Strömungen. Durch den Nachholbedarf des Bürgertums vervielfachte sich die Zahl der ausübenden Künstler.

Jeder konnte im 19. Jh., seiner Neigung entsprechend, von einem großen Kunstspektrum auswählen. Die Motive der Romantik sind zum Teil religiös beeinflusst (* Nazarener), doch überwiegen Sagen, Märchen und die Ritterromantik des Mittelalters. Einer der bekanntesten deutschen Zeichner, Maler und Graphiker der Romantik war Caspar David Friedrich (1774-1840). In der Architektur gipfelte die Liebe zur Ritterromantik in der * Neogotik. Beliebte Sujets in der Kunst waren Schlösser und Burgen (Ruinen), die Waldeinsamkeit sowie das Märchen- und Feenreich.

Durch die nach den Napoleonischen Kriegen aufgekommenen nationalen Strömungen erfolgte eine Hinwendung zum nationalen Sagengut. Vor den Schrecken der Kriege, verbunden mit Hungersnöten und Seuchen, und vor der durch Industrialisierung hervorgerufenen Arbeitslosigkeit flüchteten sich die Menschen in die "heile Welt" der Märchen und Sagen, in der immer das Gute siegt.


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