Schabkunst, Sammetmanier, Schwarzkunst, Manière noire, Mezzotinto-Verfahren,

Bezeichnung für eine vor allem im Barock bevorzugt angewendete Vervielfältigungstechnik zur sehr nuancierten Wiedergabe von Gemälden. Das dem * Kupferstich verwandte * Tiefdruckverfahren des Schabkunstblattes soll erstmalig 1642 von Ludwig von Siegen für ein Porträt der Gräfin Amalie Elisabeth von Hessen angewendet worden sein. Als Druckplatte diente eine Kupferplatte, wie beim Kupferstich. Anders als beim Kupferstich wird die Darstellung beim Schabkunstblatt nicht mit * Sticheln linienförmig in die Kupferplatte eingraviert, sondern die Platte wird mit Hilfe des * Wiegestahls (Graniereisen) und gezahnten Rädern in zeitaufwendiger Arbeit gleichmäßig aufgerauht. Das Präparieren größerer Platten soll zwei bis drei Wochen in Anspruch genommen haben.

Ein Abdruck von einer so vorbereiteten Platte würde eine tiefschwarze Fläche ergeben. Die gewünschte Darstellung wurde dann auf der Kupferplatte in der Form hervorgebracht, dass man die Stellen, die nach erfolgtem Abdruck auf dem Papier hell bis weiß sein sollten, mit * Schabeisen und Polierstählen mehr oder weniger blank machte. Je heller der Ton auf dem Papier erscheinen sollte, desto mehr mussten die aufgerauhten Stellen geglättet werden. Ganz blanke Flächen ergeben beim Abdruck auf dem Blatt weiße Zonen. Je dunkler die Fläche nach dem Abdruck sein sollte, desto weniger wurde an der aufgerauhten Platte verändert. Sie nahm die Druckfarbe gut auf und übertrug sie beim Abdruck aufs Papier. Zum Unterschied vom Kupferstich, bei dem sich nur eine schwarz-weiße, lineare Wiedergabe erzielen lässt, können bei der Schabkunst flächige Abstufungen und Grautöne sehr gut dargestellt werden. Deshalb auch die Bezeichnung * Mezzotinto. Kupferstecher bedienten sich dieser Möglichkeit und wendeten bei ihren Arbeiten manchmal eine Kombination der Kupferstich- mit der Schabkunsttechnik an. Das Aufrauhen der Kupferplatte kann statt mit Wiegestählen auch durch * Aquatintaätzung erfolgen.

Ob das Aufrauhen bei der Präparierung der Platte mit Wiegestählen oder auf vereinfachte Art durch Ätzung erfolgte, lässt sich beim fertigen Schabkunstblatt bei genauer Betrachtung unter der Lupe feststellen. Bei Anwendung herkömmlicher Graniereisen ist das typische "Mezzotintokorn", winzige Ypsilons oder Kreuzchen, zu sehen, hervorgerufen durch die Kreuzungspunkte der Wiegeschnitte. Sie bewirken die charakteristische samtartige Wirkung der Schabkunstblätter. Bei geätzten Platten besteht das Korn aus kleinen Punkten mit weit geringerem Effekt. Sie entsprechen den bei der Ätzung verwendeten Harzpulverkörnchen. Da die Schabkunst im 18. Jh. in England besonders beliebt war, wird sie bisweilen auch als "Englische Manier" bezeichnet.


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