Sèvres-Porzellan, Vincennes-Sèvres. 1738 boten Robert und Gilles Debois aus Chantilly dem französischen Hof ihre Dienste als * Arkanisten an.

Sie erhielten daraufhin von der Krone als Startkapital 10.000 Louisdors und einen Trakt des Schlosses in Vincennes östlich von Paris zur Verfügung gestellt, um eine Porzellanmanufaktur einzurichten. Aufgrund königlicher Privilegien von 1745 und 1753 durfte auch * Porzellan im Meißener Stil sowie Golddekor produziert werden. Auf Wunsch der Marquise de * Pompadour wurde die Erzeugung 1756 nach Sèvres verlegt, einem Ort zwischen Paris und Versailles. Für den Hof produzierte man dort anfänglich vor allem Objekte in leuchtenden * Fond-Farben, dekoriert u. a. mit fein gemalten galanten Szenen und goldenen Umrandungen. Seit der Übersiedlung nach Sèvres war die französische Krone zu einem Viertel an der Manufaktur beteiligt. 1759 ging dann der Betrieb zur Gänze in königlichen Besitz über. Die Porzellanmarke besteht deshalb aus einem in Schreibschrift geschriebenen "L" (für Ludwig XV.) in Verbindung mit einem spiegelbildlichen "L", wobei sich die beiden Enden der Buchstaben kreuzen. Zusätzlich geben in die Mitte zwischen den beiden Lettern gesetzte Buchstaben bzw. Doppelbuchstaben das Jahr der Herstellung an (A steht z. B. für 1753 usw.). Es gibt auch Ausführungen, bei denen die gegenständigen "L" von einer Königskrone überhöht sind.

Bis 1768 produzierte man in Sèvres ausschließlich * Weich- oder * Frittenporzellan, französische * Pâte tendre genannt. Neben Porzellanplaketten mit gemalten Miniaturlandschaften und Blumenarrangements, die als Dekorstücke u. a. in Möbel eingesetzt wurden, und aus Porzellan gestalteten antikischen Kameen sowie vollplastischen Blüten auf Metallzweigen begründete den Ruf von Sèvres vor allem das Tafelgeschirr mit seinen schönen * Pastellfarben des Fonds. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich das nach der Marquise de Pompadur benannte "Rose Pompadour", ein zartrosa Porzellan, sowie "Bleu lapis", ein Porzellan mit dunkelblauer, und "Bleu céleste", ein Porzellan mit hellblauer Fondfarbe. Einen großen Aufschwung nahm das Sevres-Porzellan nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756-1763). Im Zeitraum von 1757-66 entstanden in Sèvres im Rokokostil gestaltete vollplastische Gruppen, die vom Bildhauer É. Falconet stammen. Zu den Glanzleistungen der Manufaktur zählt ein für Zarin Katharina II. gefertigtes, aus 744 Teilen bestehendes Tafelservice. Eine Sonderform des Sevres-Porzellan ist das vor allem in den 1780er Jahren gefertigte so genannte * Juwelenporzellan.

Nachdem man 1769 in Saint-Yrieix große Mengen von Kaolin entdeckt hatte, das für die Erzeugung von * Hartporzellan erforderlich ist, erfolgte in Sèvres sukzessive die Herstellung von Hartporzellan, bis 1804 unter dem seit 1800 als Direktor tätigen Geologen und Chemiker A. Brongniart die Produktion zur Gänze auf Hartporzellan umgestellt wurde. Zur Zeit Napoleons wurde der aus Bemalung und Vergoldung bestehende Dekor des Sèvres-Porzellan oft so dicht gesetzt, dass die Fondfarbe fast verschwand. Während in der Zeit des * Consulats (1799-1804) gemalte Motive des Ägyptenfeldzugs Napoleons besonders en vogue waren, wurden im * Empire (1804-15) wieder Sujets aus der Antike modern. Nach dem Sturz Napoleons verschwanden alle an Napoleon erinnernden Themen, und man legte unter der Regentschaft der Bourbonen (Louis XVIII. und Charles X.) auch wieder das Augenmerk auf die Gestaltung der Formen des Porzellans und auf die Plastik. Unter Direktor Ebelman verstärkte man u. a. die Produktion von Kleinplastiken. Eingeführt wurde auch die * Schlickermalerei (* Pâte sur pâte). Weiters wurde die Produktion 1828 in Sèvres auf die Herstellung von farbigen Glasfenstern ausgeweitet sowie in der Folge eine Werkstatt für Emailmalerei eingerichtet, die bis 1872 bestand. Aus der Werkstatt stammen z. B. große Wandbilder in Email auf Kupfer. Unter der künstlerischen Leitung von Direktor Sandier erfolgte in Verbindung mit der Pariser * Weltausstellung 1900 eine völlige Neuorientierung des Sèvresporzellan im Geist des Art Nouveau. Nach 1945 arbeiteten für Sèvres u. a. die Maler Hans Arp, Alexander Calder, George Mathieu, Serge Poliakoff und Michel Seuphor.


« Sévignébrosche

Seychellennuss-Gefäß »


Desktop-Version öffnen mit Volltextsuche über rund 350.000 Worte.