Sozialistischer Realismus. Obwohl Darstellungen des Leids und der sozialen Unterdrückung der Fabriksarbeiter seit Beginn 19. Jh. bekannt sind, wird der Sozialistische Realismus speziell mit entsprechenden Arbeiten russischer Künstler in Verbindung gebracht.

Richtungweisend war die noch im zaristischen Russland 1870 gegründete Künstlergenossenschaft "Peredwischniki", der u. a. die Maler Jaroschenko, Kramskoi, Perow, Repin, Sawitzki und Ssjerow angehörten. Mit Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPDSU) vom 23. 4. 1932 wurden offizielle Richtlinien für die Kunstschaffenden in der Sowjetunion verbindlich festgelegt, zum Teil begründet auf einen Beschluss des Zentralkomitees von 1925 und Lenins Schrift "Parteiorganisation und Parteiliteratur" von 1905. Die Kunst wurde unter die Vorherrschaft der Partei gestellt und bildete eine der Maßnahmen zur Beeinflussung der Massen.

In der Interpretation A. Schdanows, des Leiters der Propagandaabteilung des Zentralkomitees, am Allunionskongress der sowjetischen Schriftsteller 1934 wurden die Richtlinien nach dem 2. Weltkrieg auch von den so genannten "Satellitenstaaten" übernommen. Durch die betont optimistische Wiedergabe parteipolitischer Ziele sollte die Kunst durch Ausbildung einer proletarischen Kultur das Volk ideologisch manipulieren. Bevorzugte Motive waren heroisierte Darstellungen aus dem Leben der Arbeiter, Bauern, Sportler und des Militärs sowie Porträts politischer Führer. Eine freie, kritische Kunst konnte sich erst wieder seit 1989/90 etablieren. Da der Sozialistische Realismus im Westen überwiegend mit der künstlerischen Zielsetzung der KPDSU und russischen Arbeiten in Verbindung gebracht wurde, fand er nur selten auf die nach den Kämpfen von 1830 entstandenen sozialkritischen Bilder von Werktätigen (G. Courbet, "Steinklopfer") und arbeitenden Bauern (Millet) Anwendung.


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