Utrecht-Psalter, karolingische Psalterhandschrift des 9. Jh., die seit 1718 in der Bibliothek der Rijksuniversität von Utrecht aufbewahrt wird.

Der zwischen 820 und 830 im Auftrag des Bischofs Ebbo in der Benediktinerabtei Hautvillers bei Reims entstandene Utrecht-Psalter ist das Hauptwerk der so genannten * Reimser Schule. Die Handschrift besteht aus 111 Blatt (222 Seiten) im Format 33,0 x 25,5 cm. Die einzelnen Textstellen sind mit braunen Federzeichnungen illustriert. Kennzeichnend ist die Lebendigkeit der Darstellungen, eine schwebende Leichtigkeit der Personen, in Verbindung mit einer effektvollen Gebärdensprache. Im Gegensatz zu den bis dahin üblichen sorgfältigen, aber statuarisch steifen Buchmalereien sind die Darstellungen im Utrechter-Psalter auffallend skizzenhaft, oft nur andeutungsweise ausgeführt. Die Zeichnungen korrespondieren nicht immer mit dem Text. Man vermutet daher als Vorlage für den Schriftteil eine spätantike Psalmenausgabe, bei der die drei bekannten Versionen des * Psalters in Form dreier Kolumnen nebeneinanderstanden.

Der Utrechter Psalter umfasst nur die so genannte gallikanische Variante, die nicht mehr alle Bildelemente enthält. Im Utrechter Psalter ist der Text gleichfalls dreispaltig angelegt, was auch für die Annahme einer dreispaltigen Vorlage spricht. Es gibt auch Versuche, die "überzähligen" Darstellungen als Gleichnisse und * typologische Gegenüberstellungen zu interpretieren. Die Handschrift gelangte im 10. Jh. in die Abtei von Canterbury, wo sie in der ersten Hälfte 11. Jh. mehrmals kopiert wurde; meist werden drei Kopien erwähnt. Die bekannteste vollständige und um einige Motive aus einer englischen Psalmenillustration vermehrte Kopie ist der Harleianuspsalter im British Museum in London. Die in den Illustrationen des Utrechter Psalters überlieferte karolingische Formensprache hatte wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der insularen Kunst, besonders des "Winchester-Stils".


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