Vitruv, deutsch für lateinisch Vitruvius Pollio, römischer Baumeister und Architekturtheoretiker des 1. Jh. v. Chr. (genaue Lebensdaten unbekannt).

Vitruvs Hauptwerk sind die "Zehn Bücher der Architektur" (De architectura libri X), das einzige erhaltene antike Lehrwerk über Architektur und Technik. Die einzelnen Kapitel des Werks behandeln u. a. die antike Architekturtheorie, Baustoffe, Tempel und andere öffentliche Bauten (z. B. Forum) mit detaillierten Angaben, Beschreibung des griechischen und römischen Privathauses und landwirtschaftliche Zweckbauten, Dekoration und Verfahren beim Fassadenverputz, Malerarbeiten, Wasserbautechnik sowie mechanische Geräte und Hilfsmittel (Zeitmesser, Hebezeuge, Pumpen etc.).

Neben zeitgenössischen Theorien und Erfahrungen gab der Autor in dem ca. 22-14 v. Chr. entstandenen Werk auch hellenistische Erkenntnisse wieder. Vor allem Vitruvs Lehre von der Säulenordnung und den Proportionen des menschlichen Körpers erlangte in der Renaissance erneut große Bedeutung. Der erste Druck der Vitruv-Handschriften erfolgte 1486. Die Erkenntnisse Vitruvs bildeten die Grundlage für die eingehende Beschäftigung von Leone Battista degli Alberti mit der Architektur der Renaissance Mitte 15. Jh. An der Rekonstruktion der verlorengegangenen Zeichnungen in den Schriften Vitruvs waren u. a. der als Baumeister tätige Dominikanerpater Giovanni Giocondo (1511) und Walter Ryff (1548) beteiligt. Die 1542 in Rom gegründete Academia Vitruviana übte u. a. wesentlichen Einfluss auf Andrea Palladio und damit auf den nach diesem benannten * Palladianismus aus.


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