Votivgabe, von lateinisch votivus, "durch ein Gelübde versprochen",

Bezeichnung für ein Weihegeschenk für eine Gottheit oder einen Heiligen. Votivgaben sind Danksagungen für empfangene Gnadenerweise. In der Praxis werden sie oft schon beim Vorbringen der Bitte um Hilfe in einer bestimmten Angelegenheit gespendet. Votivgaben können plastisch ausgeführt (* Gebildvotive) oder gemalt sein (* Votivbilder). Opferfiguren gehen auf uralte Traditionen zurück.

Bereits viele der steinzeitlichen Schnitzereien aus Mammutelfenbein oder Geweihstücken waren wahrscheinlich Weihegaben für Naturgottheiten. Sie brachten die primären Anliegen der Steinzeitjäger (Fruchtbarkeit und Jagdglück) zum Ausdruck. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war eine Vielzahl unterschiedlichster Gebildvotive in Gebrauch. Sie bestehen aus den verschiedensten Materialien. Frühe Exemplare sind oft aus Eisen geschmiedet, z. B. so genannte Bärkröten oder Votivkröten, daneben wurden Gebildvotive auch aus Brotteig (nicht erhalten), gegossenem oder modelliertem Wachs, geschnitztem Holz oder Bein und getriebenem oder gestanztem Silberblech hergestellt.

Da es sich um ein Opfer handelt, erfreuten sich besonders die silbernen Votivgaben großer Beliebtheit. Wallfahrtskirchen verfügen oft über große Sammlungen von Votivgaben. Ihre Ausführung und Form richtet sich nach der erbetenen Wohltat. Viele Motive weisen auf Leiden und Schmerzen hin, wie Köpfe, Augen, Arme, Beine, * Nepomukzungen (gegen üble Nachrede). Andere häufige Votivgaben waren * Stachelkugeln (sie beziehen sich wie die Bärkröten auf Gebärmutter, Geburt und Frauenleiden) sowie Herzen (Herzschmerz im Sinn von Liebeskummer), ferner Wickelkinder und verschiedene Haustiere (Leonardipferde). Votivgaben dienen immer als Dank für Schutz gegen Krankheit und Unheil. Gebräuchlich waren auch Votivkerzen. Vgl. * Votivbild.


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