Weicher Stil, deutsche Bezeichnung für gotische Plastiken und Gemälde um 1400.

Der Begriff wurde 1907 von H. Börger geprägt und vor allem von W. Pinder bekanntgemacht. Da der Ausdruck Weicher Stil in anderen Ländern nicht gebräuchlich ist, gibt es Bestrebungen, für den Zeitraum von etwa 1390-1430 von "Internationaler Gotik" oder "Höfischer Kunst" zu sprechen. Am augenfälligsten ist der Weiche Stil bei Darstellungen der Muttergottes mit dem Jesuskind. Ausgehend von den so genannten * Schönen Madonnen, die nahezu eine Leitbildfunktion einnahmen, wurde die Kunstströmung in der tschechischen Forschung auch "Schöner Stil" genannt.

Die bis dahin manchmal erstarrt wirkende körperhafte Statuarik weicht einer gelösten Bewegtheit und Lebendigkeit. Die Gestalten sind feingliedrig und von höfischer Eleganz. Charakteristisch sind die ab der Körpermitte weich und anmutig in tiefen Mulden drapierten Gewandfalten (Muldenfalten), die im Gegensatz zu den früher üblichen, scharf gebrochenen * Y-Falten stehen. Besonders auffallend ist auch die Darstellung der Mutter-Kind-Beziehung, die innige Hinwendung der Muttergottes zum Jesuskind. Die ergreifende Schönheit der Marienbilder nahmen Gegner des Marienkultes zum Anlass, sich vehement dagegen auszusprechen.

Typische Beispiele für den Weichen Stil in der Malerei sind die * Madonna im Rosengarten von Stefano da Verona und die * Anbetung der Könige von Gentile da Fabriano. In der Plastik ist der Weiche Stil vor allem durch die Schönen Madonnen vertreten.


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