Zizenhausener Figuren, Kümmerazhofener Figuren. Mit der Herstellung der heute auch Zizenhausener Terrakotten genannten etwa eine Spanne großen und bunt bemalten Tonfiguren begann die Familie Sohn in Kümmerazhofen.

Unter Anführung des Jahres 1767 wird besonders auf Franz Josef Sohn hingewiesen. Später ließ sich die Familie Sohn in dem gleichfalls nahe dem Bodensee gelegenen Dorf Zizenhausen nieder. Die Zizenhausener Figuren sind im allgemeinen als silhouettiertes Hochrelief hergestellt, wobei die Rückseite oft nicht plan ausgeführt sondern konkav gekrümmt ist. Gewöhnlich haben die Terrakotten einen Sockel, auf dem ein Zettel mit dem Namen der Figur bzw. Figurengruppe geklebt ist. Bei der Produktion der Zizenhausener Figuren wurde zuerst das Motiv in Ton modelliert, davon eine Gipsform hergestellt und in diese dann geglättetes Tonmaterial gepresst. Nach dem Herausnehmen aus der Form erfolgte das Überarbeiten der Figuren, d. h. das Entfernen am Rand haftender Tonreste und die Verfestigung der Figuren durch Hineinstecken dünner Holzstäbchen. Am nächsten Tag waren die Figuren trocken und konnten im Schachtofen gebrannt werden; Brenndauer ca. acht Stunden.

Als Vorlage dienten beim Modellieren der Sujets u. a. Darstellungen von * Bilderbogen und Entwürfe von Gottfried Mind sowie Hieronymus Heß. Insgesamt stellte die Familie Sohn über 800 verschiedenen Modelle her, beliebt waren Trachtengruppen, Musikanten, Handwerksburschen, Stiefelputzer, Zwergenfiguren, Schausteller (* Guckkästner), Bandlkramer, Heiligenfiguren, Krippenfiguren, Darstellungen von Schwänken (etwa "Die sieben Schwaben") und * Memento-mori-Motiven ("Baseler * Totentanz", "Tod u. Äbtissin", "Tod u. Ritter", "Tod u. Wucherer"), Kupplerinnen, Marketenderinnen, Teilnehmer einer Reiterschlacht, Soldaten als Krüppel ("Der Dank des Vaterlandes"), Tabakschnupfer, Kinder Israels, zwischen zwei Ärzten ein am Boden liegender und sich vor Schmerzen krümmender Patient ("Der Ärztestreit") etc.


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