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BeyArs Kunstlexikon

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Junge Wilde, Neue Wilde, Bezeichnung für eine Gruppe um 1950 geborener Maler, die sich an den Anfang des 20. Jh. experimentierenden * Fauves orientierten und deshalb Junge Wilde oder Neue Wilde genannt wurden (Ausstellung Aachen 1979).

Die Jungen Wilden, darunter auch einige * Neoexpressionisten, suchten nach "Befreiung von den repressiven Zwängen des Intellekts, der über die Kunst der vergangenen Dekade seine Herrschaft ausgeübt hatte" (Robert Rosenblum) und malten mit raschem, breitem Pinselstrich sehr farbkräftige, expressive Bilder von trivialer Motivik. Charakteristisch für den Stil der Jungen Wilden sind grelle Farben und spontane Gesten beim Malen sowie eine neue, gestisch bestimmte Figuration mit chiffrenhaften Gestalten. In Italien wurden die Jungen Wilden meist als "Transavanguardia" bezeichnet, aber auch * Arte cifra ist als Terminus gebräuchlich.

Von den italienischen Künstlern gehören S. Chia, F. Clemente, E. Cucchi, N. de Maria und M. Paladino zum engeren Kreis, der in diesem Stil malte. In Deutschland gab es in einigen Städten Gruppen, die zu den Jungen Wilden gezählt werden. In Berlin gehörten z. B. die Maler L. Castelli, R. Fetting, H. Middendorf, Salomé (W. Cilarz) und B. Zimmer dazu. Sie stellten ihre Werke vor allem in der 1977 gegründeten Galerie am Moritzplatz aus. Beeinflusst wurden sie u. a. von Künstlern wie G. Baselitz, K. H. Hödicke und M. Lüpertz, die schon in den 1960er Jahren in einer neuen expressiven Figürlichkeit malten. Erfolg hatten die Jungen Wilden erst 1980 bei der Ausstellung der "Heftigen Malerei" im Berliner Haus am Waldsee.

Im Berliner Kreis besonders auffällig durch seine exhibitionistischen Performances und "den vehementen Einbruch der Sexualität in die Kunst" (Jean-Christophe Ammann) war der unter dem Namen Salomé tätige Maler Wolfgang Cilarz. Zu den in Hamburg im Stil der Jungen Wilden tätigen Malern werden u. a. W. Büttner, M. Kippenberg sowie A. und M. Oehlen gezählt. Sie widmeten sich u. a. sozialen Themen, etwa der Wiedergabe der Alltagstristesse der Werktätigen. Oft sind in die Bilder bisweilen parodistische Titel gemalt. Besonders in Erscheinung trat in den Jahren 1980-82 die Kölner Gruppe "Mühlheimer Freiheit", benannt nach der Atelieradresse (Mühlheimer Freiheit 110), der u. a. W. Dahn, P. Brömmels und J. G. Dokoupil angehörten. Prägend für die Kölner Gruppe war die Auseinandersetztung mit dem Stil der * Arte cifra. Die Bezeichnung Mühlheimer Freiheit blieb für die Kölner Junge Wilde auch nach der Auflösung der Gruppe (1983) erhalten. Sowohl von den Berliner Jungen Wilden als auch von den Malern der Mühlheimer Freiheit gibt es Gemeinschaftsbilder, besonders von W. Dahn und J. G. Dokoupil. In der Schweiz fühlen sich vor allem M. Disler, F. Müller, C. Sandoz und die aus Japan stammende Wahlschweizerin L. Ikemura dem Malstil der Jungen Wilden verbunden. Von den österreichischen Malern zählen besonders E. Bohatsch, H. Schmalix und der später in Köln tätige S. Anzinger zu den Jungen Wilden. Die Jungen Wilden werden auch mit Protestbewegungen in Verbindung gebracht, z. B. mit New Wave und mit Punk.


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