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BeyArs Kunstlexikon

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Neogotik, Neugotik. Sammelbezeichnung für alle die Gotik eklektizierenden Stilrichtungen, beginnend in der Spätrenaissance, im Anschluss an die * Nachgotik.

In größerem Stil begannen neugotische Strömungen im 18. Jh. in England mit dem * Gothic Revival. Die 1742 von B. Langley unter dem Titel "Gothic Architecture Improved" veröffentlichten Blätter beinhalten z. B. Vorlagen für Gebäude und Möbel, in denen Elemente der Gotik in zeitgenössischer Modifikation wiederbelebt wurden. Die Verbreitung von Ideen und Plänen für Häuser und ganze Landsitze erfolgte in eigenen Handbüchern für Baumeister, zu deren bekanntesten die Publikation von W. und J. Halfpenny aus dem Jahr 1750 gehört.

Große Popularität erfuhr das Gothic Revival in England u. a. durch das 1750-1770 erbaute Anwesen "Strawberry Hill" des bekannten englischen Kunstsammlers Horace * Walpole. Ein weiteres berühmtes neugotisches Bauwerk Englands ist der an der Stelle des alten Königspalastes erbaute "Palace of Westminster" in London, meist als "Houses oft Parliament" (Parlament) bezeichnet, mit dem separat stehenden Glockenturm (Big Ben).

Auf dem Einrichtungssektor besonders beliebt waren die von * Chippendale zum Teil nach Entwürfen R. * Adams gefertigten Möbel, deren Dekor der gotischen Architektur (Ausbildung von * Blendarkaden, * Maßwerk und * Fialen) nachempfunden ist. Von England aus verbreitete sich die Neogotik auch auf Nordamerika. Im deutschen Sprachraum kam der Stil als Gegenbewegung zum * Klassizismus durch die romantische Begeisterung für das Mittelalter in Mode, seit der 2. Hälfte 19. Jh. auch durch den * Historismus.

Ein frühes Beispiel für das Interesse an der Neogotik ist der von J. W. v. Goethe 1772 veröffentlichte Aufsatz "Von deutscher Baukunst". Es erfolgte eine Wiedererweckung der Gotik auf Grund wissenschaftlicher Forschungen und Erkenntnisse. Unterstützt wurde die Strömung durch die Romantik mit ihrer Vorliebe für das Rittertum und die mittelalterliche Bauweise. In Frankreich fand die Formensprache der Gotik am Beginn des 19. Jh. im * Troubadourstil eine Neubelebung und in Italien gegen Mitte 19. Jh. im * Dantesker-Stil.


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