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BeyArs Kunstlexikon

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Phidias, lateinisch (griechisch Pheidias), griechischer Bildhauer, an dessen Bekanntheitsgrad kein anderer Bildhauer der Antike heranreicht. Der Höhepunkt seines Schaffens fällt in die Zeit von 460-430 v. Chr. Phidias bezeichnete sich selbst als Athener und als Sohn des Charmides. Seine Lehrmeister sollen die Bildhauer Agelades und Hegias gewesen sein, von denen keine Werke überliefert sind. Bekannt ist, dass Phidias 447 v. Chr. von Perikles mit der Aufsicht über die Bautätigkeit auf der * Akropolis in Athen betraut wurde. Dabei standen ihm der Architekt Iktinos, mehr als 70 Bildhauer und eine große Zahl von Helfern zur Seite. Neben seiner beratenden Tätigkeit und den Entwurfsarbeiten war Phidias persönlich an der Gestaltung des 163 m langen Frieses des * Parthenon beteiligt.

Während der monumentale Marmorbau des Parthenon in nur neun Jahren errichtet wurde, nahm die * Bauplastik volle sieben Jahre in Anspruch. Wie in der Antike in Griechenland üblich, waren der Marmorbau und der Figurenschmuck bemalt. Mit Phidias wird auch die fast 17 m hohe aus Bronze gegossene Statue der "Athena Promachos" (Vorkämpferin), am Prozessionsweg von den Propyläen zum Parthenon, in Verbindung gebracht (Pausanias I 28,2). Dargestellt ist die Statue u. a. auf athenischen Münzen. Unter Aufsicht des Künstlers entstand auch das "Athena Lemnia" benannte bronzene Standbild, das am Weg von den Propyläen zum Erechtheion aufgestellt war und von dem sich eine verkleinerte römische Marmornachbildung in Dresden, Staatliche Kunstsammlung, befindet.

An einem weiteren Standbild der Göttin, der in * chryselephantiner Manier ausgeführten ca. 12 m hohen "Athena Parthenos" im Parthenon auf der Athener Akropolis, soll Phidias neun Jahre gearbeitet haben; eingeweiht wurde das Kultbild 438 v. Chr. Die stehende Göttin hielt eine Figur der * Nike auf der rechten Handfläche und den Schild mit der Linken. Wie es heißt, hatte Phidias sich selbst sowie Perikles auf dem Schild der Göttin dargestellt. (Eine Kopie des Schildes befindet sich im British Museum in London.) Dies soll der Grund für eine spätere Anklage wegen Gotteslästerung gewesen sein. Schriftlichen Berichten zufolge wurde der Bildhauer deshalb eingekerkert und starb an Gift.

Nach anderen Quellen gelang ihm die Flucht nach Elis, einer Küstenlandschaft auf dem westl. Peloponnes, wo er in Olympia die Kolossalstatue des Zeus schuf. Die zweite Version klingt wahrscheinlicher, da bei den 1954-58 in Olympia gemachten Funden nachgewiesen wurde, dass Phidias noch nach 430 v. Chr. dort tätig gewesen sein muss. Ursache für die Kampagne gegen Phidias dürfte vor allem Konkurrenzneid gewesen sein. Abgesehen von der Gotteslästerung, warf ihm die Anklage auch vor, etwas von dem für das Standbild der Göttin vorgesehene Gold für sich abgezweigt zu haben.

Mit insgesamt 1.100 kg soll für die aus Holz geschnitzte und mit Goldblech überzogene Gewandung der Göttin mehr Gold verwendet worden sein als später für die Kultstatue des Gottes Zeus. Wieviel Elfenbein für die sichtbaren Körperteile der Athena Parthenos benötigt wurde, ist nicht überliefert. Während das Standbbild selbst nicht erhalten ist, gibt es mehrere kleine Nachbildungen davon; u. a. vermittelt eine 107 cm große römische Kopie eine gute Vorstellung von seinem Aussehen. Diese 1880 beim Gymnasium von Varvakeion in Athen gefundene so genannte "Varvakeionische Athena" wird ins 2. Jh. n. Chr. datiert und befindet sich heute im Nationalmuseum von Athen.

Bekannt ist auch die Nachbildung des Antiochos (Rom, Thermenmus.). Beschreibungen der Athena Parthenos sind von Pausanias (I 24,7) und Plinius (Nat. hist. XXXVI 18) erhalten. Das berühmteste Werk des Phidias war das bereits erwähnte für den Tempel von Olympia errichtete monumentale Gold-Elfenbein-Kultbild des Gottes Zeus, das als eines der * sieben Weltwunder der Antike gilt (* chryselephantin). Wie die auf einem Thronsessel sitzend gestaltete Riesenstatue aussah, ist durch schriftliche Quellen (Pausanias V 11, 1-10) und zeitgenössische Geldstücke aus Elis überliefert. Eine der Münzprägungen erfolgte 137 n. Chr. auf Anordnung Kaiser Hadrians, anlässlich der 230. Olympischen Spiele. Aufgrund übereinstimmender zeitgenössischer Angaben von Pausanias und Kallimachos sowie der Erkenntnisse moderner archäologischer Forschungen gilt es heute als gesichert, dass die Zeus-Statue knapp 12,40 m hoch war.


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