|
Art. Nr.: 42
EGON SCHIELE Tulln 1890 – 1918 Wien
LANDSCHAFT MIT HÜGELN AM HORIZONT, 1914 Bleistift auf Papier, 320 x 483 mm
Signiert und datiert rechts unten: EGON SCHIELE 1914
Verso: Nachlassstempel: Nachlaß Egon Schiele
Provenienz: Nachlass des Künstlers; Melanie Schiele Schuster; Prof. Dr. Rudolf Leopold; Privatbesitz, Wien
Zu den weniger bekannten Arbeiten Egon Schieles zählt eine Reihe von Landschaftszeichnungen, die zwar völlig verschiedene Gegenden zeigen, aber auf einer gleichartigen Bildanlage beruhen. Mit sparsamsten graphischen Mitteln wird eine horizontale Landschaftsformation skizziert, die sich quer durchs Bild zieht und von den Blatträndern willkürlich abgeschnitten wird. Ein wesentliches kompositionelles Element ist – wie in den fernöstlichen Tuschmalereien – der leere Bildgrund, dem die gestaltende Linie unterschiedliche Bedeutungen im Bildganzen zuweist – er kann für die Imagination agrarischer Flächen im Vordergrund ebenso stehen wie für die summarische Andeutung des Mittelgrundes oder die Weite des endlosen Firmaments im Hintergrund.
Ob das 1914 datierte Blatt eine Hügellandschaft in der Umgebung von Neulengbach wiedergibt, wie aus Unterlagen der Familie des Künstlers hervorgeht, kann bezweifelt werden, da Schiele nach der leidigen Gefängnisepisode im Jahr 1912 seinen Wohnsitz wieder nach Wien verlegt hat und wohl kaum mehr an den Ort zurückgekehrt ist, von dem dieses schreckliche Erlebnis seinen Ausgang genommen hat. Doch ist die konkrete Identifizierung des Motivs in diesem Fall von geringerer Bedeutung als die Besonderheit der Komposition. Analog zu den Figurenbildern, insbesondere den vielfältigen Aktdarstellungen, kommt es dem Künstler hier nicht darauf an, das physiognomisch getreue Abbild einer gesehenen Wirklichkeit zu erfassen, sondern deren emotionelle Wirkung fühlbar zu machen.
Edwin Lachnit
Literatur: Jane Kallir: Egon Schiele. The Complete Works. New York 1990, S. 544, WVZ Nr. 1681.
LANDSCAPE WITH HILLS ON THE HORIZON, 1914
Pencil on paper, 320 x 483 mm
Signed and dated (lower right): EGON SCHIELE 1914
Verso: estate stamp: Nachlaß Egon Schiele
Provenance: estate of the artist; Melanie Schiele Schuster; Prof. Dr. Rudolf Leopold; private collection, Vienna
Some of the lesser known works by Egon Schiele include a number of landscape drawings showing different areas but based on a similar composition. The artist sketched a horizontal landscape formation with just a few lines, which runs through the picture and is arbitrarily cropped by the edges of the paper. Essential elements in the composition are the empty spaces, echoing Oriental ink paintings. These have varying meanings for the picture as a whole and in the imagination can stand for agrarian areas in the foreground, a cursory indication of the middle ground or the endless expanse of sky in the background.
It is doubtful whether this drawing, dated 1914, depicts a hilly scene in the surroundings of Neulengbach, as indicated in Schiele’s family records. After his harrowing episode in prison in 1912, Schiele had moved to Vienna and it’s hard to believe that he would have returned to the scene of such a terrible experience. However, identifying the motif is less important in this case than focusing on the special qualities of the composition. In the same way as his figures – especially his varied nudes – the artist is not concerned here to capture a true-to-life image of what he saw but to make palpable its emotional impact.
Edwin Lachnit
Literatur: Jane Kallir: Egon Schiele. The Complete Works. New York 1990, S. 544, WVZ Nr. 1681.
|