|
Art. Nr.: 1159
Spitzweg, Carl
1808 München - 1885 München
Die Höhle des Drachen, Felslandschaft im Mondschein. Öl auf Holz. 16 x 25,2cm. Rahmen.
' Gutachten: Prof. Dr. Siegfried Wichmann, Starnberg März 1982.
Provenienz: Versteigerung R. Bangel, Frankfurt/Main 14.11.1916 unter der Nummer 47; Versteigerung Manedlbaum, Berlin 19.02.1936 unter der Nummer 91, Titel: Der Lindwurm; Privatbesitz Cottbus 1937; anschließend Städisches Museum Moritzburg Halle/Saale, dort im Mai 1945 gestohlen; verschiedene Privatsammlungen in USA und Kanada; seit Anfang 80er Jahre Privatsammlung NRW. Dem jetzigen Besitzer liegt eine gerichtliche Verfügung vom Oktober 1982 vor, die ihm sein rechtliches Eigentum zusichert.
Literatur: Aufgeführt und abgelibdet in: Wichmann, Siegfried: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke. Stuttgart 2002, S. 545, Nr. 1514. Wichmann, Siegfrid: Carl Spitzweg. Die Nachtlandschaft. Dokumentation. Starnberg-München, Reihe für vergeleichende und angewandte Kunstgeschichte 1989, S. 34f. S. 39.
Zum Bildthema schreibt Wichmann in seinem Gutachten: ''Angeregt durch die Böcklin'schen Bildthemen wählte Carl Spitzweg zahlreiche phantastische Themen, die vornehmlich in den siebziger und achtziger Jahren gemalt wurden, so u.a. den Hexenmeister, den Schlangenbeschwörer oder den Zauberer mit Drachen. Als Übungen und Studien zu diesen nächtlichen Themenvariationen entwickelte Spitzweg Bildthemen, die sich mit nächtlichen Naturerscheinungen auseinandersetzen. Wichtig dafür ist die Formatwahl für die Natursensationen, die vor allen Dingen das Abend- und Nachtlicht anzeigen. Wählt der Maler das Querformat, um die Thematik der aufziehenden Wolken und der in der Ferne untergehende Sonne besonders deutlich hervorzuheben. (...) In der Thematik greift Spitzweg auf gewisse künstlerische Eigenständigkeiten der Frühzeit zurück, das ist typisch für die vorliegende Fassung. Eine gestaffelte Raumsituation wird erzeugt, indem der Vordergrund skizzenhaft bis zum Mittelgrund behandelt wird um dann im silhouettenhaften Aufbau der Felsmassen bis zum Horizont teilweise im Lichte klar gezeichnete, geologische Formationen anzudeuten. Für die Themenwahl nimmt der Maler seine Skizzenbücher aus der Zeit zwischen 1845 und 1850. Wiederum zum Vorbild sind vor allen Dingen die Reisen nach Landro vor Ampezzo, ins Pustertal nach Toblach und Oberitialien. Diese dramatisch wiedergegebenen Naturskizzen werden im Alterswerk vor allem in den nächtlichen Landschaften mit Drachen-Staffage nochmals ausgewertet. (...) Das vorliegende Bild zeigt aber, wie reichhaltig Carl Spitzweg die Techniken der europäischen Malerei variieren konnte und in einer skizzenhaften Form die Bewegungsfähigkeit des Naturablaufes schildert. Die vorliegende Fassung DIE HÖHLE DES DRACHENS aus dem Museum Halle/Leipzig (Moritzburg) gehört deshalb zu einer spezifischen Darstellungsform, welche die qualitätsvolle Malweise Carl Spitzwegs eindrucksvoll vermittelt. (...) Das Bild ist für die neuere Forschung im Bereich Carl Spitzweg von großer Wichtigkeit, da neuerdings festegestellt wird, dass die abgedunkelten nächtlichen Bilder in der Spätzeit auch entstanden sein können, und dass vor allen Dingen schon bewegte, skizzenhafte gemalte Bilder ebenso in der Frühzeit entstanden sein können. Das Bild ist deshalb für die Öffentlichkeitsarbeit eines Museums von besonderer Bedeutung.''
Aus der Dokumentation zu den Nachtlandschaften: '' Die (...) vorliegenden Nachtlandschaften entstehen in der Zeit, als in Frankreich die Schule von Barbizon den Vorimpressionismus festigte und als die bedeutsamen französischen Impressionisten begannen, den Sekundenstil des Tageslichtes zu interpretieren. Wir bewundern in diesen Bildern die vielfältige Aufteilung des Farbspektrums, die Aufmischung durch Weiß, die Anpassung der Objekte an die verschiedenen Helligkeitsgrade bis hin zur Auflösung des Gegenstandes. Das Licht wurde gleichsam mit einer wissenschaftlichen Genauigkeit studiert und den Landschaften eingefügt. In dem selben Maße müssen wir uns vorstellen, dass Carl Spitzweg mit der Nachtlandschaft begonnen hatte, indem er den Übergang vom Tag zur Nacht in unendlich feinen Farbabstimmungen porträtierte, dass er die Leuchtquellen wie Steren, Reflexe oder aber Stadtbeleuchtungen miteinbezog in seine Bilder und daraus eine reiche Stufung von Farbpigmenten brachte.''
'
|