|
Art. Nr.: 30
Josef Dobrowsky
(Karlsbad 1889–1964 Tullnerbach) “Ernte”, bezeichnet J. Dobrowsky 1926, auf der Rückseite alter Klebezettel von der Hand des Künstlers: Ernte, Öl (350 S.) von Josef Dobrowsky, Öl auf Leinwand (Gradel), 56 x 72 cm, gerahmt, (K)
Vergleiche in:
Josef Dobrowsky, Galerie Würthle, Wien 1979, Kleines Erntebild, Tafel XVIII
Provenienz:
Privatbesitz, Niederösterreich
Tagebucheintragung: Über Impressionismus und Expressionismus (Band XXII, 15. Februar 1920)
Auf Picards Expressionismus der Bauernmalerei: Dieser bezeichnet Expressionismus als aus dem Impressionismus hervorgegangenen - nicht beruhend auf einem gotischen Empfinden.
Ich halte dafür, daß der Expressionismus unmöglich aus dem Impressionismus hervorgehen kann - sie sind sich, beide Arten geistiger Auffassung gerade entgegengesetzt.
Expressionistisch halte ich für etwas Vergleichendes, im höchsten Grade nicht für den Zustand Charakteristisches, sondern für das Wesentliche und dadurch Zeitlose berechnet.
Ergänzung vom 4. September 1921: Expressionismus ist das Geistige - wohl für den Augenblick -, so aber auch für die Dauer, so auch für die Art, auch für das Individuum. Dem Expressionismus liegt die Idee zugrunde. Dem Impressionismus wohl die Wissenschaft, eine gewisse Logik, die wohl zur Freiheit, nie aber zur Willkür führt. Der Expressionismus schaltet frei bis zur schrankenlosesten Willkür. Er zerreißt das Bild der möglichen “Natürlichkeit”. Er kümmert sich nicht um Logik, noch um nüchterne Wissenschaft. Ihm ist die Ekstase die höchste Form.
Für die Impression ist mir eine Veranlagung (ein Temperament) fähig. Ich setze ein meisterhaft gediegenes künstlerisches Resultat voraus, das sich mit der umgebenden Welt begnügt und in Freude sie dargestellt hat. Ohne Absicht, sie irgendwie zu verschönern oder zu “Verhäßlichen”.
Ich könnte den Impressionismus als Ausgangspunkt einer “weltfremden” Richtung bezeichnen.
Von ihm aus gelänge es, nach idealisierender und gotischer Richtung sich fortzusetzen. Von diesem Punkt hätte es aber keine eigene Berechtigung, denn jede “Impression” als Kunstwert hält schon die beiden Wege, den einen oder den andern, in ihrer Existenzmöglichkeit. Um aber über ein Dilemma hinwegzukommen, ist Impressionismus eine notwendige “Vorschule”, ein Behelf allein, und als bloße Erscheinung rücksichtslos zu verwerfen.
Der Expressionismus beginnt mit der Aktion. Er bedingt für mich die rein moralische, soziale Basis. Er ist das einzige Mittel, die Dinge, leblos oder lebend, auf ihrem Urgrund und selbstlosen Zweck begreifen zu lernen ... Ein Standpunkt, von dem aus ich vergleiche.
Expressionismus - er vergleicht als Beispiel den Menschen (als Bildnis) mit einer Katze, einem Pferd etc.
Er vergleicht ihn (den Menschen) mit einer Art von Charakter - weich, hart, in Form und Linie. Der Mensch erinnert ihn an andere Menschen gleicher Art.
Der Expressionismus verlangt also die Beherrschung von ganz aus dem Thema liegenden Dingen und Stoffen. So kann eine Haut wie Seide anzusehen sein, die andere wie Leder, das Herz kann fest und steif wie Drähte sein, ein anderes weich wie ein Pelz etc. (diese Fälle halten sich noch mit dem Impressionismus).
Kann ein Wille von Fall zu Fall sich impressionistischen, dann expressionistischen Tendenzen zuneigen?
Dem impressionistischen doch nur, wenn der Geist, die Aktion ausgeht?
Vom impressionistischen aus - als größte Steigerung - werden sich die zwei Auffassungen nur selten in einer Aufgabe vertragen.
|