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Art. Nr.: 81
Dix, Otto
1891 Untermhaus/ Gera - 1969 Singen
Garten im Frühling
1957. Öl auf Holz. 64 x 92cm. Monogrammiert (ligiert) und datiert unten rechts: OD 57. Rahmen.
Literatur: Fritz Löffler, Otto Dix - Oeuvre der Gemälde, Recklinghausen 1981, Wvz.-Nr. 1957/9 mit Abb
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ändert Otto Dix immer mehr seine Malweise. Er wendet sich von der altmeisterlichen Lasurtechnik ab, die sein Schaffen über 20 Jahre lang beherrscht hat, und malt wieder wie vor 1923/24 alla prima. Über dieses Verfahren, das keine aufwendige Vorzeichnungen mehr benötigt, schreibt er 1944: "Die veränderte Technik (das Wort ist ganz falsch, es ist eigentlich eine neue Art von Sehen, die bei mir eingesetzt hat) erzeugt viele und seltsame Blühten. Auf jeden Fall ist festzustellen: I. ist die Malerei spontaner geworden, die lausige Vorsicht, die man mit andauernden Lasuren immer haben mußte, ist weg. II. es wird alles grober, Gott sei Dank, ich habe in den letzten Jahren viel zu spitzpinselig gemalt und komme nun wieder auf die Zeit meines ersten Kriegsbildes, also eine Art Entfesselung tritt ein. III. das formal Räumliche weicht dem farblich Räumlichen, und Farben fangen an, Klänge zu bilden. IV. ich werfe nach Belieben alle Idealkomposition, Goldenen Schnitt und all diesen Renaissancekram über Bord und male entfesselt. Und während ich dies schreibe, merke ich, daß man das alles gar nicht erklären kann, die Bilder haben trotz der Entfesselung mehr Form." (Brief an Ernst Bursche, zit. nach: Ausst.-Kat. Otto Dix - Zum 100. Geburtstag 1891-1991, Galerie der Stadt Stuttgart/Nationalgalerie Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1991). Allerdings arbeitet der Künstler nur bei kleineren Sillleben alla prima, bei größeren Werken trägt er wiederum mehrere Farblagen auf. Mit diesem befreiten Arbeiten bannt Dix eindrucksvoll Augenblickserlebnisse auf den Malgrund. Davon zeugt auch das Ölbild "Garten im Frühling". Der Farbauftrag ist nun pastos und die Faktur der Handschrift sichtbar. Damit einhergehend erscheint die Form einfacher und aufgelockerter, wobei Umrisslinien zur Verfestigung einzelner Bildmotive dienen. Und nicht zuletzt sind an die Stelle des dunklen Gesamttons helle, reine Farben getreten. Nichts erinnert hier mehr an die penible Ausführung und exakte Abtastbarkeit der einzelnen Formen bis in das letzte Detail wie es für die Gemälde der späten 1920er und der 1930er Jahre so typisch ist. Trotz des abstrahierenden, expressiven Vortrages bleibt Dix bis zu seinem Tod der gegenständlichen Malerei treu. Die völlige Abstraktion lehnt er kategorisch ab: "Das Äußere der Dinge ist mir wichtig, denn mit der Wiedergabe der äußeren Gestalt fängt man auch das Innere ein." (zit. nach Fritz Löffler, Otto Dix (1891-1969) - Oeuvre der Gemälde, Recklinghausen 1981, S. 60)
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