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Art. Nr.: 556
Immendorff, Jörg
1945 Bleckede/ Elbe - 2007 Düsseldorf
Café de Flore
1992. Acryl und Öl auf Leinwand. 100 x 150cm. Betitelt, signiert und datiert oben: Café de Flore, Immendorff '92. Modellrahmen.
Provenienz: Galerie Rackey, Bad Honnef Rheinische Privatsammlung
Stets versteht Jörg Immendorff Kunst als wirkungsvolles Instrument in der Auseinandersetzung mit politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen. Geprägt von seinem politischen Engagement entwickelt er einen persönlichen Realismus, mittels dem er die unmittelbare Wirkung dieses Spannungsfeldes aufzeigen will. So inszeniert er in seinen Gemälden Geschichte als episches Theater. Dies tut er auch in der Bilderreihe "Café de Fore", die er 1990 beginnt. Hier knüpft der Künstler an seinen von 1977 bis 1983 entstandenen Werkzyklus "Café Deutschland" an. Als Zeitzeuge behandelt er kritisch in beiden Serien die Vergangenheit und Gegenwart sowie die Rolle der Kunst und des Künstlers in der Gesellschaft. Schauplatz für seine Kontroverse ist jeweils das Kaffeehaus, der Ort der Zusammenkunft und des Gedankenaustausches. Für Immendorff wird er zum "Genius Loci", an dem der Kampf ausgefochten wird. Doch stellt das "Café de Flore" keineswegs ein Gegenstück zum "Cafè Deutschland" dar. Zeigt er hier düster und exzessiv Brüche und Widersprüche der deutsch-deutschen Geschichte auf, die die Teilung herbeigeführt hat, so stimmt er dort scheinbar andere Töne an. "Mit Frankreich und insbesondere mit Paris und seinem "Café de Flore" verbindet ihn persönlich eine gewisse Form des Romantizismus, die Erinnerung an die deutsch-französische Freundschaft, an das Hinüberschielen der Deutschen vor allem in den 50er und 60er Jahren zum lebendigen, politisch wie poetisch vitalen Paris, das lange für die Künstler ein Art Pilgerstätte und Brutstätte neuer Ideen war. Immendorff bezieht sich immer wieder in seinem Werk auf französische Positionen, sei es auf den Dichter Rimbaud (...), auf Gérard Grandville, den Karikaturisten, oder auf die (...) Surrealisten um André Breton." (Beate Reifenseid, in: Immendorff - Das Druckgrafische Werk, Düsseldorf 2006, S. 19) In "Café de Flore" dokumentiert der Maler den Schritt von der anarchischen Kulturpolitik zu einer totalen Kunstweltexistenz. Das hier dargestellte surreale Beisammensein von lebenden und toten Anführern seiner Epoche sind der Versuch einer historischen Rekonstruktion und Rettungsarbeit. Das Immendorff dabei nicht in eine Feierlichkeit verfällt, sondern durchaus mit Spott und Selbstironie Geschichte betrachtet, beweist seine überlegene Raffinesse
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