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Art. Nr.: 516
Hartung, Hans
1904 Leipzig - 1989 Antibes
P-1972-19
1972. Farbkreide auf Karton. Aufgezogen. 73 x 50,5cm. Signiert und datiert unten rechts: Hartung 72. Modellrahmen.
Das Pastell wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Foundation Hans Hartung und Eva Bergmann, Antibes, aufgenommen.
Die Technik die Hartung in für seine Bilder verwandte, veränderte das Erscheinungsbild seiner Arbeiten ab den 1960ern stark: Vor 1960 malte Hartung in Öl auf Leinwand. Doch das langsam trocknende Öl hemmte seinen Gestaltungswillen. Denn "erst mit den Bildern, die seit 1960 entstanden, gibt Hartung den beschriebenen Herstellungsprozess zugunsten eines radikal herausfordernd neuen auf. Bezeichnenderweise scheint der Anlaß dafür zunächst allein im Vorgang des Malens selbst gelegen zu haben. Denn mit der bisher verwendeten Ölfarbe wäre es rein technisch schon unmöglich gewesen, selbst wenn er dies gewollt hätte, in weit ausfahrenden Linienschwüngen und arabeskenhaften Gesten die Farbe in solch zeichnerischer Klarheit zu entwickeln. Die scharf durchgezogene Linie wäre zwangsläufig unterbrochen worden, wäre gestückelt, nicht aber mehr gestaltet gewesen. Überdies hätte diese direkte Bewegung auf dem Bildfeld eine sehr schnelle sein müssen. Solcherart bedingte Überlagerungen koloristischer Setzungen wären aber auch wegen des langen Trocknungsprozesses kaum möglich gewesen. Ein langes Warten hätte die eine, vielschichtig aufgefächerte psychische Haltung, für die das Bild zum Klangkörper werden sollte, ständig unterbrochen. Auch auf der geistig-emotionalen Ebene also hätte das Ölgemälde nur gestückeltes Werk zusammengetragen, nicht aber das Eine, das Ganze anschaulich gemacht, auf das Hartung zielte, wenn nicht dem Herstellungsprozeß immer die vorausentworfene, gefilterte und korrigierte Ordnung hinterlegt hätte. (.) Daß gerade jetzt, 1960 also, das materielle Risiko kaum mehr eine Rolle spielte, steigerte die Gefährdung solchen Bildermachens im Geistigen. Denn die bisher geübte bildnerische Vorplanung, die Sicherheit des konstruktiven Gerüsts, das der zum Zeichen übersetzten Geste wie ein Netz hinterlag, diese Kalkulation der gestalterischen Ordnung fehlte nun ganz" (Elias Canetti, in: Ausst.-Kat. Hans Hartung, Staatsgalerie moderner Kunst München, Berlin 1981, S.27f.)
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