|
Art. Nr.: 559
Immendorff, Jörg
1945 Bleckede/ Elbe - 2007 Düsseldorf
Langer Marsch auf Adler
1991. Sechs Linolschnitte auf bemalter Leinwand. Auf Keilrahmen aufgezogen. a) Café de Flore. b) 3. Oktober 90. c) Ready-Made de l'histoire. d) Georg und Rudolf. e) Zwei Freunde. f) Section de merde allemande. a) 156 x 195cm; b)-f) 200 x 129,5cm. Jeweils signiert und datiert: Immendorf 91.
Wvz. Geuer, Nr. 1991.1.1 - 1991.1.6. Komplette Serie. Sie 1992 in einer Auflage von insgesamt 15 Exemplaren auf Karton. Wie die vorliegenden Arbeiten hat Immendoff daneben bis 2004 die Linolschnitte auch auf bemalte Leinwände gedruckt, die damit einen Unikat-Charakter haben. - Alle Arbeiten auf der Rückseite leicht verschmutzt.
Wie schon das erste Bild zeigt, gehört diese Folge zu dem Themenkreis "Café de Flore", mit dem sich Jörg Immendorff in seinem Schaffen seit den 1990er Jahren eingehend beschäftigt. In Anlehnung an seine Werke zu "Café Deutschland" zeichnet er hier das Pariser Kaffeehaus als pulsierendes Zentrum der Künstler nach, wobei er wiederum historische Geschehnisse mit einbezieht - nun sind es die um die deutsch-französische Freundschaft. In diesen Kontext lässt der Künstler, scheinbar subversiv, auch Inhalte der deutschen Geschichte einfließen. So greift er in "3. Oktober 90" die unmittelbare Vergangenheit auf: Der im Käfig gehaltene Adler wird hier symbolisch von Penck freigelassen. Neben Immendorff selbst nehmen Max Ernst und André Breton an diesem historischen Triumphtag teil. Auch der Titel der Serie "Langer Marsch auf Adler" macht den inhaltlichen Bezug zur deutschen Politik deutlich. Er bezieht sich nicht nur auf die zahlreichen Gemäldefassungen, sondern auch auf eine Reihe von vorbereitenden Zeichnungen. Und noch ein Motiv, das in seinem Oeuvre immer wiederkehrt, nimmt Immendorff in den aufrührerischen Schilderungen der düsteren Kaffeehaus-Höhle mit auf - das Künstlerporträt. Teilweise in wechselnden Konstellationen stellt er Freunde und Kollegen, lebende wie tote, dar, die ihm als treibende Kräfte der kultur-politischen Auseinandersetzung gelten. Da bilden sich Tischgesellschaften wie etwa Georg Baselitz und vermutlich der Galerist Rudolf Springer in "Georg und Rudolf" oder Josef Beuys und Marcel Duchamp in "Section de merde allemande". Allein aus dem Gespräch befreundeter Geister entsteht für Immendorff Einheit als Ausdruck und Ergebnis von Verständigung. Durch das Leben und den Tod getrennt, kann er dieses Mit- und Gegeneinander, kann er Zeiten und Ideen, nur noch im Bild sich begegnen lassen
|