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Art. Nr.: 155
Amedeo Modigliani, 1884 - 1920
Cariatide. 1911/12.
Blaue Kreide und Bleistift.
Parisot, Band I, 2/12. Rechts unten signiert. Auf feinem chamoisfarbenen Velin, auf Leinwand aufgezogen. 65 : 50 cm (25,5 : 19,6 in), Blattgröße. Den ersten Zeichen- und Malunterricht erhält Amedeo Modigliani von 1898 bis 1900 im Atelier von Guglielmo Micheli. 1902 gründet der Künstler in Florenz eine Ateliergemeinschaft mit Oscar Ghilia und wird Schüler der freien Aktschule. Ein Jahr später wechselt er an die Akademie in Venedig. 1906 geht Modigliani nach Paris, um an der freien Akademie Colarossi zu studieren. 1907 lernt er dort den jungen Arzt Paul Alexandre kennen, der sein erster Förderer wird. Im selben Jahr stellt der Künstler im Herbstsalon aus, ein Jahr später im "Salon des Indépendents". Die wenigen erhaltenen Bilder aus dieser Zeit spiegeln Einflüsse durch die Fauves, Matisse, Toulouse-Lautrec, Picasso und Cézanne wider.
In den Jahren 1909-14 ist Modigliani in erster Linie als Bildhauer tätig. In diese Zeit fällt die Entstehung einer seiner bedeutendsten Werkgruppen, der Karyatiden. Zunächst als Bildhauer, zunehmend jedoch auch als Zeichner und Maler setzt sich der Künstler mit dem Thema der griechisch-römischen Karyatiden auseinander. Über die Beschäftigung mit der Skulptur gelangt Modigliani zu einer formalen Reduktion und Abstraktion, die er auch in seine Zeichnungen und Gemälde transponiert. Dies belegt in eindrucksvoller Weise auch unser Blatt: "An dem antiken Motiv erarbeitet sich Modigliani seinen linearen Stil, die Formen sanft geschwungener Konturen und die Betonung des Flächenhaften, die fast so etwas wie sein Markenzeichen geworden sind." (Doris Krystof, Amedeo Modigliani. Die Poesie des Augenblicks, S. 37). In einem ausgewogenen Verhältnis von Statik und Dynamik, geschlossener und offener Form verleiht Modigliani den Linien Halt und Gestalt und nimmt damit Bezug auf die ursprüngliche, tragende Funktion dieser antiken Säulenfiguren.
Am 3. Dezember 1917 findet in der Galerie Berthe Weill Modiglianis erste Einzelausstellung statt, die jedoch nach wenigen Stunden geschlossen wird, da seine Aktdarstellungen einen Skandal hervorrufen. Amedeo Modigliani verstirbt 1920 in Paris. [RS]
EXPERTISE: Mit einer Foto-Expertise von Herrn Arthur Pfannstiel, Hamburg, vom 15. April 1969 (mit der Bestätigung einer früheren Expertise, vom 9. Dezember 1958).
Mit einer Foto-Expertise von Herrn Joseph Lanthemann, vom 9. Mai 1977, mit der Bestätigung, dass die Arbeit unter der Nr. 543 b in das Supplément des Catalogue raisonné légal aufgenommen wird.
Mit einer Bestätigung von Lunia Czechowska auf der Foto-Expertise von Joseph Lanthemann.
Mit einer Foto-Bestätigung des Sohnes von U. Einsild
PROVENIENZ: Sammlung U. Einsild, Paris.
Privatsammlung Monte-Carlo.
AUSSTELLUNG: Biennale Monte-Carlo, 1981.
Grand Palais, FIAC, Paris 1982.
Modigliani. Aquarelles/Dessins. Mit einem Vorwort von Jeanne Modigliani, Galerie Point, Galerie d'Art Moderne, Monte-Carlo, 19.7.-4.9.1982, Kat.Nr. 6 (mit ganzseitiger Abb.).
Modigliani, Centre Cultural Caixa des Pensions, Barcelona, April-Mai 1983, Kat. S. 111.
Modigliani, Sala de Exposiciones de la Caja Pensiones, Madrid 1983, S. 119, Kat.Nr. 46 (auf dem Keilrahmen mit dem Stempel).
Guter Gesamteindruck. Auf Leinwand aufgezogen. Schwach und etwas unregelmäßig gebräunt. Linker Rand minimal (ca. 0,3 cm) um den Keilrahmen geschlagen, hier gebrochen. Linke untere Ecke mit schwacher Knickspur, geglättet. In der Darstellung mit unbedeutender Bereibungsspur und mit kaum wahrnehmbarem, fachmännisch restauriertem Riss (ca. 37 cm), den Gesamteindruck nicht beeinträchtigend.
Der italienische Maler und Bildhauer Amedeo Modigliani wird 1884 als Sohn einer gut situierten, großbürgerlichen Familie in Livorno geboren. In seiner Jugend beschäftigt er sich mit der ihn umgebenden Kunst der Renaissance und der Antike. 1898-1900 nimmt er bei Guglielmo Micheli Zeichen- und Malunterricht. 1902 hat Modigliani in Florenz gemeinsam mit Oscar Ghilia ein eigenes Atelier und besucht die freie Aktschule. 1903 wechselt Modigliani an die Akademie in Venedig, er beschäftigt sich sowohl mit den Werken der Alten Meister wie auch mit den internationalen zeitgenössischen Kunstströmungen.
1906 geht Amedeo Modigliani nach Paris, wo er die Freie Akademie Colarossi besucht. Dort lernt er 1907 den Arzt Paul Alexandre kennen, der sein erster Förderer wird, Gemälde und Zeichnungen von ihm erwirbt und ihm erste Aufträge verschafft. 1907 nimmt Modigliani mit einigen Werken an der Ausstellung im "Salon d'Automne" teil, ebenso 1908 im "Salon des Indépendants". Doch er ist nicht sehr erfolgreich mit seiner Kunst. Die wenigen erhaltenen Werke aus dieser Zeit spiegeln Einflüsse durch die Fauves wider, er orientiert sich an der Kunst von Matisse, Toulouse-Lautrec, Picasso und Cézanne. Durch Paul Alexandre lernt Modigliani auch den Bildhauer Constantin Brancusi kennen, unter dessen Einfluss beschäftigt sich Modigliani in den Jahren bis 1914 fast ausschließlich mit der Bildhauerei. Danach steht wieder die Malerei im Vordergrund. Mit Brancusi verbindet Modigliani eine tiefe Freundschaft, durch ihn lernt er auch afrikanische Plastiken kennen, die in zu seinen ovalen Porträtgesichtern und überlängten Körperformen anregen. Modiglianis Hauptmotive sind der weibliche Akt und das Porträt. Die Gestalten werden wenig modelliert und wirken flächig. Die Gesichter sind dabei oft wie blind, da die Augen nur als einfarbige, meist blaue Farbflächen undefiniert dargestellt sind. Zudem wohnt vielen der Personengemälde eine eigentümliche Melancholie inne.
Heute sind Modiglianis Gemälde in den renommiertesten Museen weltweit zu finden und werden hoch geschätzt - ganz anders als zu seinen Lebzeiten. Am 3. Dezember 1917 findet in der Galerie Berthe Weill die erste Einzelausstellung mit Modiglianis Werken statt - sie wird nach wenigen Stunden geschlossen, da seine Aktdarstellungen einen Skandal hervorrufen. Der künstlerische Erfolg stellt sich erst nach seinem frühren Tod ein. Zeit seines Lebens ist Modiglianis Gesundheitszustand labil, er hat mit der Lungenkrankheit zu kämpfen, dazu kommen Alkoholmissbrauch und die finanziell ungesicherte Lebenssituation. Am 24. Januar 1920 stirbt der 36-Jährige in Paris.
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