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Art. Nr.: 131
Lovis Corinth, 1858 Tapiau/Ostpreußen - 1925 Zandvoort/Holland
Mädchen, Halbakt. 1883.
Öl auf Leinwand.
Berend-Corinth 11. Auf dem Keilrahmen mit einem Etikett, dort gewidmet "Zur Erinnerung an unsere Jugend, von seinem alten Spezi Lovis Corinth Berlin 4. Juni 1918 p.a. Klopstockstr. 48". 85 : 66,5 cm (33,4 : 26,1 in). Lovis Corinth zählt zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus. Seine künstlerische Ausbildung beginnt er an der Kunstakademie Königsberg bei Professor Otto Günther, den er auf mehrere Reisen begleitet. 1880 setzt er sein Studium in München fort, zuerst bei Franz von Defregger und später in der Klasse von Ludwig Löfftz. Die Arbeiten aus dieser Zeit lassen die Schulung durch den Eindruck der Münchener naturalistischen Malerei des Leibl-Kreises erkennen. Nach einer Studienunterbrechung, in der er seinen einjährigen Militärdienst ableistet und eine Reise mit seinem Vater an den Gardasee und nach Venedig unternimmt, setzt Corinth seine Ausbildung fort.
Bereits in den frühen Gemälden von Lovis Corinth lassen sich grundlegende Werte erkennen, die das malerische Gesamtwerk wesentlich bestimmen sollen. Die Begeisterung für den nackten menschlichen Körper, besonders wenn er weiblich-üppig ist, wird bereits von seinen Zeitgenossen als Rubensnähe konstatiert. Doch in Zeiten, in denen Frauen von stattlicher Figur ein Gegenstand der Verehrung sind, folgt er nur seinem Ideal. Die vielen Akt- und Halbaktdarstellungen seiner Frau Charlotte Berend sind ein beredtes Zeugnis dafür. Corinth malt nackte Körper mit so viel Delikatesse und einer Liebe für die milchige Glätte der Haut, dass Parallelen zum malerischen Werk von Rubens nicht zu übersehen sind.
1884 übersiedelt Corinth nach Paris, wo er die Académie Julian besucht. 1891 kehrt er nach München zurück und wird Gründungsmitglied der Münchener Sezession. 1901 eröffnet Corinth eine Malschule für Frauen in Berlin, unter deren ersten Schülerinnen seine spätere Ehefrau Charlotte Berend ist, und wird Mitglied der Berliner Sezession. 1913 veranstaltet Paul Cassirer eine umfangreiche Corinth-Retrospektive. Zwei Jahre später wird Lovis Corinth zum Präsidenten der Sezession gewählt und 1917 von der Akademie der Künste in Berlin zum Professor ernannt. Im Juni 1925 erliegt er auf einer Reise nach Amsterdam einer Lungenentzündung. [KD]
PROVENIENZ: Hella Tischer, Hamburg.
Privatsammlung Hessen.
Im Originalrahmen
In guter Erhaltung. Im Bereich des Kopfes mit kleinem fachmännisch restauriertem und retuschierten Einriss. Mit vereinzelten minimalen Retuschen.
Franz Heinrich Louis Corinth, der 1888 den Künstlernamen Lovis Corinth annimmt, zählt zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Impressionismus. Seine künstlerische Ausbildung beginnt er an der Kunstakademie Königsberg bei Professor Otto Günther, den er auf mehrere Reisen begleitet. 1880 setzt er sein Studium in München fort, zuerst bei Franz von Defregger und später in der Klasse von Ludwig Löfftz. Die Arbeiten aus dieser Zeit lassen die Schulung durch den Eindruck der Münchener naturalistischen Malerei des Leibl-Kreises erkennen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Antwerpen übersiedelt Corinth nach Paris, wo er die renommierte Académie Julian besucht. Seine Lehrer sind Bouguereau und Robert-Fleury. 1891 kehrt Corinth nach München zurück, wo er Gründungsmitglied der Münchener Sezession wird. Doch bald kommt es zum inneren Zerfall dieser Gruppierung und die "Freie Vereinigung" spaltet sich ab. Aufgrund der schlechten Auftragslage geht Corinth 1901 nach Berlin, eröffnet eine Malschule für Frauen, unter deren ersten Schülerinnen seine spätere Ehefrau Charlotte Berend ist, und wird offizielles Mitglied der Berliner Sezession. Als Liebermann gezwungen wird, als Präsident zurückzutreten, wird Corinth neuer Vorsitzender. 1911 erleidet er einen Schlaganfall mit vorübergehender linksseitiger Lähmung. Paul Cassirer, der während Corinths Krankheit zum Vorsitzenden der Berliner Sezession gewählt wird, veranstaltet 1913 eine Retrospektive, in der 228 Ölgemälde gezeigt werden. 1915 wird Corinth zum Präsident der Sezession gewählt und 1917 wird er von der Akademie der Künste in Berlin zum Professor ernannt. Ein Sommeraufenthalt in Urfeld am Walchensee im Jahr 1918 führt dazu, dass Corinth dort ein Grundstück erwirbt und 1919 mit dem Bau eines eigenen Hauses beginnt. Bis 1924 verbringt der Künstler immer wieder mehrere Monate im "Haus Petermann" in Urfeld, was sich künstlerisch in der Reihe der Walchensee-Landschaften niederschlägt. Im Juni 1925 reist Corinth in Begleitung eines ehemaligen Schülers nach Amsterdam, um Arbeiten von Rembrandt und Frans Hals zu sehen. Er erliegt auf der Reise, noch in Holland, einer Lungenentzündung. Das Oeuvre von Corinth umfasst u.a. über 100 Gemälde sowie mehrere Bücher und Aufsätze über die Malerei. Lovis Corinth gilt heute als "Klassiker der Moderne" und seine Werke hängen in den bedeutendsten Museen und Galerien des deutschsprachigen Raums.
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