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Art. Nr.: 101
Auguste Herbin, 1882 Quiévy - 1960 Paris
Pots et fruits. 1910.
Öl auf Leinwand.
Claisse 224. Links oben schwer leserlich signiert. 73 : 92 cm (28,7 : 36,2 in). Am 29. April 1882 kommt Auguste Herbin als Sohn einer Handwerkerfamilie in dem kleinen Dorf Quiévy an der belgischen Grenze zur Welt. Entsprechend dieser Herkunft wird auch die Malerei des Nordfranzosen von großer handwerklicher Qualität bestimmt. Ab 1900 besucht der Künstler die École des Beaux-Arts in Lille, bevor er sich 1901 in Paris niederlässt, wo er sich zunächst den Impressionisten anschließt. 1905 stellt Herbin das erste Mal aus und begegnet 1907 Wilhelm Uhde, der sich für ihn einsetzt. Ein Jahr später werden seine Bilder vom Salon d'Automne zurückgewiesen. Die Kunst der Nabis und der Fauves sowie die Cézanne-Gedächtnisausstellung üben nun einen großen Einfluss auf den Künstler aus. 1909 bezieht er ein Atelier in der Nachbarschaft von Pablo Picasso und Juan Gris.
In den frühen Gemälden von Auguste Herbin zeigen sich deutlich die Einflüsse der Zeit. Sind es bei den Landschaften eher spätimpressionistische Impulse, so lässt sich an den verfestigten Formen der Stillleben die Orientierung an Cézanne erkennen und in diesem Zusammenhang die Auseinandersetzung mit dem Kubismus. Die mächtigen Tongefäße, die in reizvollem Gegensatz zu den Birnen im Vordergrund stehen, sind in ihrer bauchigen Statuarik einem Formengut verpflichtet, das um diese Zeit gern groß und beherrschend ins Bild gesetzt wurde. Überraschend ist die subtile Farbigkeit, die in dem Rotakzent gipfelt, den Herbin einer der beiden Birnen im Vordergrund verleiht.
Ab 1917 beginnt eine ungegenständliche, geometrische Phase, die sich zunehmend in Richtung Konstruktivismus entwickelt. Herbin wird 1929 Mitbegründer des Salon des Surindépendants, zwei Jahre später ruft er die Künstlervereinigung 'Abstraction-Création' ins Leben. Nach dem Krieg ist er Mitbegründer, ab 1955 Präsident des Salon des Réalités Nouvelles. Ab 1938 führt ihn die Beschäftigung mit dem italienischen Trecento zu einer konkreten Malerei mit strengem Flächenprinzip und einfachen geometrischen Formen. 1953 muss der Künstler aufgrund einer halbseitigen Körperlähmung lernen, mit der linken Hand zu malen. Die für Herbins Malerei charakteristische architektonische Gesinnung und seine koloristischen Qualitäten eröffnen bereits seinem Vorkriegswerk eine breite internationale Anerkennung, die auch nach dem Krieg ihre Fortsetzung findet. Auguste Herbin stirbt 1960 in Paris. [KD]
EXPERTISE: Die Expertise von Frau Geneviève Claisse lag bei Drucklegung noch nicht vor
PROVENIENZ: Sammlung Ellinor und Max Alsberg, Berlin (direkt vom Künstler erworben).
Sammlung Erich Walter Sternberg, Tel-Aviv.
Privatsammlung Norddeutschland.
AUSSTELLUNG: Auguste Herbin, Galerie Moderne, Clovis Sagot, Paris, 2.-17.3.1914, Kat.Nr. 9.
Guter Gesamteindruck. Doubliert. Kanten rahmungsbedingt minimal berieben. Mit vereinzelten Retuschen.
Auguste Herbin kommt am 29. April 1882 als Sohn einer Handwerkerfamilie in einem kleinen Dorf an der belgischen Grenze zur Welt. Entsprechend ist auch die Malerei des Nordfranzosen rationaler Prägung von betont handwerklicher Qualität. Bevor Herbin sich in Paris niederlässt, wo er sich zunächst den Impressionisten, dann den Fauves anschließt, besucht er ab 1900 die École des Beaux Arts in Lille. Als Ateliernachbar von Braque und Picasso setzt er sich auch mit dem Kubismus auseinander, so dass ab 1913 erste kubistisch inspirierte Bilder entstehen. Dies führt zu einer ungegenständlichen, geometrischen Phase ab etwa 1917, die sich zunehmend - mit Ausnahme einer Unterbrechung im Jahr 1922, als der Maler kurzzeitig wieder zur gegenständlichen Darstellungsweise zurückkehrt - in Richtung Konstruktivismus entwickelt. 1929 wird Auguste Herbin Mitbegründer des "Salon des Surindépendants", zwei Jahre später ruft er, u.a. zusammen mit Vantongerloo, mit dem er bis 1937 den Almanach der Gruppe herausgibt, die Künstler-Vereinigung "Abstraction-Création" ins Leben. Nach dem Krieg ist der Herbin Mitbegründer und Vizepräsident, ab 1955 schließlich Präsident des "Salon des Réalités Nouvelles". Die Beschäftigung mit dem italienischen Trecento führt Herbin ab 1938 zu einer konkreten Malerei mit strengem Flächenprinzip und einfachen geometrischen Formen. Als Fundament des Bildaufbaus entwickelt er 1946 das "alphabet plastique", ein Kompositionssystem, das auf der Struktur der Buchstaben beruht. Dies, sowie seine Farbtheorien, die er zum Teil von Goethes Farbenlehre ableitet, legt er in seiner Schrift "L'art non-figuratif non-objectif" 1949 dar. Eine halbseitige Körperlähmung bewirkt, dass Herbin ab 1953 lernen muss, mit der linken Hand zu malen. Die für Herbins Malerei charakteristische architektonische Gesinnung und seine koloristischen Qualitäten eröffnen bereits seinem Vorkriegswerk eine breite Anerkennung auf internationaler Ebene, die auch nach dem Krieg ihre Fortsetzung findet. So sind Auguste Herbins Arbeiten zwischen 1955 und 1972 auf der documenta I, II und V zu sehen. 1979 ist er auf einer großen Ausstellung im Guggenheim Museum, New York vertreten und 1987 in Düsseldorf in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bei der Ausstellung "Positionen unabhängiger Kunst in Europa um 1937". Auguste Herbin stirbt am 31. Januar 1960 in Paris. Ein Bild bleibt durch sein plötzliches Ableben unvollendet - es heißt "Fin".
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