|
Art. Nr.: 209
Henri Laurens, 1885 Paris - 1954 Paris
Femme endormie. 1949.
Aquarell und Bleistift.
Rechts unten monogramiert. Auf kreidegrundiertem Karton. 49,4 : 66,1 cm (19,4 : 26 in), Blattgröße. Es sind vor allem die Skulpturen von Henri Laurens, die einem breiten Publikum bekannt sind, doch auch die Zeichnungen, besonders die weiblichen Akte, sind Ausdruck seiner Kraft, die Form in seinem Sinne zu bändigen. Bildhauerzeichnungen sind immer unter dem Aspekt einer möglichen Weiterentwicklung in Hinsicht auf eine Skulptur zu sehen und sollten auch so verstanden werden. Der in sich verschränkte liegende weibliche Akt ist in seiner engen Gruppierung der Gliedmaßen ganz im Sinne einer Verwirklichung als Skulptur gedacht, trotz der scheinbaren Flächenhaftigkeit seiner Anlage. Laurens konzentriert sich weniger auf das Individuelle. Seine Arbeiten sind von der Form her bestimmt und bewegen sich so am Rande einer Abstraktion, die in ihrer Verallgemeinerung den Typus als solchen herausarbeitet. [KD]
PROVENIENZ: Svensk-Franska Konstgalleriet, Stockholm.
Privatsammlung Stockholm.
Christie's London, 29.11.1988, Los 454.
Galerie Brusberg, Berlin.
Privatsammlung Zürich.
AUSSTELLUNG: Galerie Louise Leiris, Paris (verso mit dem Etikett).
Guter Gesamteindruck. Mit restauriertem Einriss (3,5 cm) in der unteren Blattkante. In der weißen Fläche mit vereinzelten minimalen Retuschen. Ränder geringfügig unfrisch.
Henri Laurens, 1885 als Sohn eines einfachen Arbeiters in Paris geboren, erhält sehr früh seine erste handwerkliche Ausbildung in einem Dekorationsatelier, in dem er Stilornamente modelliert und Architekturentwürfe zeichnet. Danach arbeitet Laurens auf Bauplätzen und Baugerüsten und lernt dort, Steine zu behauen. Abends besucht er regelmäßig Zeichenkurse, die als "Kurse von Papa Perrin", einem allseits beliebten Lehrer, bekannt sind, der seinen Schülern die Ernsthaftigkeit des Handwerks zu vermitteln weiß. Laurens erste bildhauerische Arbeiten werden, bevor er 1911 Braque kennenlernt, von Rodin beeinflußt. Als er dann mit dem Kubismus in Berührung kommt, entwickelt sich die Intention, in Plastiken, polychromen Flachreliefs und Collagen die Ideen des analytischen Kubismus umzusetzen. Picasso, dem die Ergebnisse des Bildhauers gefallen, bringt Laurens mit Leónce Rosenberg zusammen, der begeistert einige seiner Skulpturen kauft und den Künstler während der ganzen Kriegszeit unterstützt. Kurz nach dem Krieg zeigt eine Reihe von Reliefs aus Terrakotta und Stein Einflüsse von Lipchitz und der afrikanischen Negerskulptur. Von den kubistischen, geometrischen Formen wendet sich Laurens nun ab und nähert sich wieder der Natur. Dabei findet er zu einem organischen, kurvigen Stil, in dem er stark abstrahierte, rhythmisch bewegte Figuren - meist weibliche Akte - von großer poetischer Kraft darstellt. In zahlreichen Arbeiten setzt sich Laurens mit Themen der antiken Mythologie auseinander, die er neu interpretiert. So entstehen z.B. 1944 die ersten Entwürfe für "La Grande Sirène" und 1953 die über vier Meter hohe Bronzeplastik "Amphion" für die Universitätsstadt Caracas, bei der Laurens jedes Stück einzeln bearbeitet, um ihm Fülle und Substanz zu geben. Als Vertreter der Bildhauerkunst wird Laurens in diesem Jahr nach São Paulo berufen, wo ihm der große Preis der Biennale zugesprochen wird. Neben den plastischen Arbeiten entsteht von Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit an ein umfassendes graphisches Œuvre mit Holzschnitten, Radierungen und Buchillustrationen. Am 5. Mai 1954 stirbt Laurens in Paris.
|